Bonnie Prince Billy - Wolfroy Goes To Town - Cover
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Bonnie Prince Billy Wolfroy Goes To Town


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Minimalistischer Folk der Güteklasse B wird hier ausreichend geliefert.

Will Oldham gibt wie immer keine Interviews. Mit der weiteren Ablehnung der Medien gibt sich der Künstler unnahbar. Warum jemand der in „Jackass 3D“ mitspielt und „Hobby“-Schauspieler ist, keinen Kontakt mit Journalisten pflegt, bleibt wohl genauso ein Geheimnis, wie Billy es in den letzten sechs Jahren geschafft hat, zwölf (!) Alben herauszubringen. Nebenbei spielt er kleine Rollen in Independent-Filmen und scheint überhaupt das Ideal eines jeden L.A.-Exilanten zu sein, der nicht für Hollywood seine Runden dreht.

Wir werten es so, dass Oldham im Alter von 40 Jahren lieber Taten sprechen lässt, doch mit Album Nummer zwölf in gerade mal sechs Jahren hat die Stagnation längst eingehalten. Nicht alle Alben klangen gleich, aber das Gros der Lieder schlägt in dieselbe Kerbe. Oldham will uns von „No Match“ an mit auf eine Reise durch einen alten Musikwald nehmen. Keine Elektronik, keine stringente Songstruktur, Gesang, der auch gerne zu Falsetto-Tönen ohne Inhalt greift. Bonnie „Prince“ Billy hat diesen Stil perfektioniert. Allerdings nur auf einem gewissen Level. Wirkliche Wärme, wie bei den Fleet Foxes entsteht nie und daran ändert auch kein exotischer Einfluss in „New Tibet“ etwas.

Oldham schafft eine Illusion, die zwar makellos scheint, aber nicht fassbar ist. Man stößt sich weder an einem Lied, noch bleibt es durch seine Eingängigkeit hängen. Kunst mag man meinen, aber Musik, die es nicht schafft Emotionen zu wecken, macht es dem Hörer nicht gerade einfach. Ruhig, erholsam und asketisch mag man die Musik zu Recht nennen, doch ein echtes Wonnegefühl mag nicht aufkommen. „There Will Be Spring“ lässt sich genauso beschreiben wie das anschließende „Quail And Dumplings“. Schön und ernüchternd zu gleich.

Minimalistischer Folk der Güteklasse B wird hier ausreichend geliefert. Es fehlt der letzte (oder erste) Funken und so plätschert das Album, gerade in Anbetracht Oldhams letzter Werke, vor sich hin und verfehlt es zu überraschen oder zu überwältigen. In nahezu jedem Song wünscht man sich, dass es doch jetzt passieren könnte. Gerade wenn man sich vorstellt, dass man in einem nebligen Wald steht und die Bergluft einatmen will, zerfällt die Fassade und der Hörer findet sich in seinem Wohnzimmer wieder, ohne zu wissen, wie er sich überhaupt erst in diese Stimmung versetzen konnte.

Anspieltipps:

  • No Match
  • New Tibet
  • Cows

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