M83. - Hurry Up, We´re Dreaming - Cover
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M83. Hurry Up, We´re Dreaming


  • Label: Naive/INDIGO
  • Laufzeit: 74 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Von Nicolas Fromageau und Anthony Gonzalez gegründet, besteht das am ehesten noch mit der Bezeichnung Dream-Pop meets Post-Rock zu verortende Projekt M83 mittlerweile nur noch aus einem festen Mitglied, dem Franzosen Anthony Gonzalez. Mit wechselnden Musikern für die Live-Auftritte und Studio-Arbeiten als Unterstützung hat dieser eine nicht zu überhörende Vorliebe für cineastische Soundcollagen und die elegant poppige Seite der Achtziger. Davon durchzogen war das letzte, vierte Studioalbum „Saturdays = Youth“ und bei dem neuen Doppelalbum „Hurry Up, We're Dreaming“ sieht es nach einer ehemals rockigeren, widerspenstigen Seite ganz genau so aus. M83, so scheint es, ist angekommen in seinem Sound, der im Laufe der Jahre definitiv an Dringlichkeit und Langlebigkeit verlor.

Auch wenn die Co-Produktion durch Justin Meldal-Johnsen (Beck, The Mars Volta, Nine Inch Nails) auf dem Papier noch hoffen lässt, so durchzieht die 74 Minuten, welche ja auch auf eine CD gepasst hätten, ein halbgarer Unterton, eine romantisch verklebte Zuckerschicht, der man nur als beinharter Fan Herr zu werden scheint. Im „Intro“ ist der Geschmack noch ein lieblich vereinnahmender, wenn die Künstlerin Zola Jesus zum gesanglichen Gastauftritt eilt und sich die Melange aus hall-verzierten Synthesizer-Melodien, Glockenspiel und dramatisch inszenierten Drums an die Oberfläche schiebt.

Im weiteren Verlauf setzt sich die Discokugel nicht immer vorteilhaft an die Decke des heimischen Wohnzimmers und blendet die wahre Dreampop-Freunde, die M83 gekonnt vermitteln kann. Doch daran wird auf „Hurry Up, We're Dreaming“ nur an der Oberfläche gekratzt. Stattdessen regiert die leichte Unterhaltung aus Cowbells, tanzbaren Billig-Beats, analogen Synthesizer-Einsätzen sowie viel Hall auf der Stimme und allen anderen Beigaben (siehe z. B. „Reunion“).

Die ruhige Ausstrahlung der Akustikgitarre in „Wait“ täte dagegen richtig gut, wenn die Streicher nicht schon wieder den Himmel voller rosa Plüschtiere ausmalen würden. Stellvertretend für die weiteren Tracks, die sich größtenteils dem lauen Geschehen anpassen und anscheinend auf Zwang gen zeitlosem Meisterwerk gebügelt werden sollen (Doppelalbum, deplatzierte Vergleiche mit den großen Werken der Beatles, Pink Floyd und Smashing Pumpkins aus dem Munde des Künstlers selbst) ist das gar bedrohlich für einen Mann wie Anthony Gonzalez, der sich vom gefühlvollen Soundmagier in den letzten Jahren zum Fahrstuhlmusik-Experten mauserte und diese Entwicklung hier vor allem durch allzu prätentiösen Gesang, fiese Bläser/Streicher/Synthesizer-Kombinationen aus der Fremdschäm-Abteilung der Achtziger und Kaugummi-Pop bestätigt.

Anspieltipps:

  • Intro
  • Midnight City
  • Wait
  • Claudia Lewis
  • Splendor
  • Steve McQueen

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