Nihiling - Epoghagus - Cover
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Nihiling Epoghagus


  • Label: Abandon Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Was will uns diese junge deutsche Band mit dem Titel ihres zweiten Albums und dem zugehörigen Cover sagen? Betrachten wir kurz diese Wortschöpfung „Egophagus“. Eine Phage ist nichts anderes als ein Parasit, ein Virus der Bakterien befällt. Zum einen könnte es sich hierbei um eine egoistische Phase handeln, was im Grunde eine Tautologie wäre, denn ein Parasit denkt sowieso nur an die eigene Vermehrung oder Nahrung und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Übertragen wir das auf die andere Möglichkeit, bei der Ego für Ich steht, also der Mensch mit einem Parasiten gleich gestellt wird. Sind wir Menschen also im Grunde Parasiten, die sich vornehmlich darauf spezialisieren mehr zu nehmen als zu geben, so wie dieses Geflecht auf dem Cover, dass seine kleinen Wurzeln in alle Richtungen ausbreitet, um alles aus der Umgebung egoistisch für sich in Anspruch zu nehmen? Bei Betrachtung der Beziehung von Mensch zu Erde/Umwelt fällt das Ergebnis wohl eindeutig aus.

Nihiling bauen mit „Egophagus“ eine mystische Geschichte auf, die sich in den Liedtexten als Dialoge zwischen drei Charakteren äußert. Hintergrund bisher unbekannt. Auch die Musik beinhaltet eine gehörige Portion dieser Mystik und lebt von der inneren Spannung und gelegentlichen Entladungen. Sie verfügt aber nicht über die Detailtiefe des Debütalbums „ Meiosis“, ist gediegener und zurückhaltender, es fehlen auch die angenehmen elektronischen Schnipsel. Okay, die Band entwickelt sich weiter, probiert sich aus auf ihrem Terrain. Der Sänger Gorka Morales sagte laut Waschzettel dazu: „Wenn „ Meiosis“ die Nadel war, die uns auf die Landkarte gesetzt hat, dann ist „Egophagus“ der Kompass in unserem kleinen Universum.“ Hoffentlich eher eine Windfahne, denn die zeigt wenigstens nicht immer in die gleiche Richtung.

Ganz im Gegensatz zum durchgehend starken Vorgängeralbum fängt „Egophagus“ zwar sehr gut an, lässt aber auch zu oft nach. Die ersten zwei Songs des neuen Albums beweisen wie wunderbar Post- und Prog-Rock mit Alternative-Strukturen vermischt werden kann. Zwar sind „Pa;(r)tik(e)l“, genauso wie „Demise“ kurz darauf, reine Oceansize-Kopien aus den Zeiten von „Everyone Into Position“, aber trotzdem gute Stücke. Diese Ähnlichkeit äußert sich nicht nur in dem schnellen Umschalten zwischen und dem Vermischen von Stilen, auch der Sänger Gorka Morales wechselt zwischen sauberem Gesang und Schreianteilen wie einst Mike Vennart.

Viele der Stücke können das anfangs vorgegebene Niveau leider nicht halten, sie bewegen sich von völlig überflüssigen Zwischenteilen („Letter To Senor Iraola“ und „Syzygy“) über öde Glockenspieleinlagen („Minnows“) bis zu einem dahin plätschernden Achtminüter mit einem mehr oder weniger heulenden Gesang der Bassistin, der jedenfalls zum Titel „Sirens“ passt. Erst mit „Once In Every 12 Million Years” folgt wieder ein besseres Stück in klassischer Post-Rock Tradition. Das hört sich jetzt alles schlimmer an als es in Wirklichkeit ist, aber der Hörfluss des Albums wird durch einige Stücke gestört und kann daher nicht die gewünschte Wirkung entfalten, die dem Vorgänger noch spielend gelang.

Anspieltipps:

  • The Antagonist
  • Pa;(r)tik(e)l
  • Once In Every 12 Million Years

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