Baby Lou - Fresh Water In A Dirty Glass - Cover
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Baby Lou Fresh Water In A Dirty Glass


  • Label: 141 Records/New Music Distribution
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Irgendwann kommt die Zeit um das schützende Elternhaus zu verlassen und sich der großen, weiten Welt zu stellen. Für Baby Lou waren es acht Jahre im Untergrund voll von Konzerten, in Eigenregie veröffentlichten Platten und dem innigen Drang etwas Einzigartiges zu formen und einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Mit „Fresh Water In A Dirty Glass“ dürfte nun der Zeitpunkt erreicht sein, an dem sich fast ein ganzes Jahrzehnt des Bastelns am eigenen Sound bezahlt machen könnte. Hier gibt es nicht nur den Blick über den oft genannten Tellerrand, Baby Lous Debüt ist ein Album für den Tellerrand.

Was als zaghaftes Stimmungsgebilde beginnt („Aqueduct“), springt einem im Titeltrack als Mischung aus Hardcore, wirbelnden Gitarren und Reggae-Anleihen mitten ins Gesicht, nimmt anschließend eine stürmische Rockwende („Every knee shall bow“), die selbst vor Gangshouts und 80er-Jahre Synthies keinen Halt macht („Smile for the camera (Yes sir)“), versucht sich als minimalistische, rhythmusbetonte Sozialkritik („Mr. Woodworm“), Jimmy Eat World-Blaupause („The future plan“) oder knackiger Punkrocker („Tennis“, „The new dress“), schwelgt in träumerischen Indie-Rock-Sphären („The airforce is landing on my bed“) und heizt als aufbegehrender Rocksong den Boxen ein („Where are those lifeguards when you need them“), sodass man nach dem ersten Durchgang erst einmal nicht weiß, wo oben und unten ist.

Wenn dann noch „Hoist the sails“ als musikalische Achterbahnfahrt sämtliche Elemente in einen Topf wirft und kräftig umrührt, könnte es passieren, dass erste Schwindelanfälle auftreten. „Fresh Water In A Dirty Glass“ sollte daher nicht als schneller Indie-Snack zwischen Sick Of It All und Weezer eingenommen werden, sondern besser als vollwertiges Album ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen. Baby Lou verknüpfen ihre zahlreichen Ideen zwar nicht immer ganz sauber und lassen so die eine oder andere Länge („The old fire“) oder unsinnige Collage („The smell of plastic / 3649“) entstehen, dieses Manko wird durch den unstillbaren Entdeckungsdrang allerdings beträchtlich eingedämmt. Wo die Reise für Baby Lou letztendlich hin geht, ist bei dieser Stilvielfalt schwer abzusehen. Hier schlummert das deutsche Pendant zu Snow Patrol, At The Drive-In, The Killers oder Depeche Mode, die Grenzen sind also nach allen Seiten hin offen. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie am Besten das Booklet oder fragen den Plättenhändler ihres Vertrauens!

Anspieltipps:

  • Hoist The Sails
  • The Future Plan
  • Fresh Water In A Dirty Glass
  • Smile For The Camera (Yes Sir)
  • The Airforce Is Landing On My Bed

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