Dirty Projectors - Mount Wittenburg Orca - Cover
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Dirty Projectors Mount Wittenburg Orca


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 21 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
3.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Für hartgesottene Avantgarde-Fans erschaffen die Dirty Projectors eine EP mit Björk-Bonus.

Es ist Björk. Damit ist eigentlich alles gesagt und jeder, der auch nur annähernd die Karriere der Isländerin verfolgt hat, der weiß, dass es müßig ist, über ihre Musik zu schreiben und zu diskutieren. Ganze Abhandlungen könnten gefüllt werden und doch würde am Ende jeder Hörer in seiner Björk-Blase sitzen, die Embryohaltung einnehmen und meinen, dass ganz allein seine Interpretation der Stücke richtig ist. Der einzige Grund, warum man an „Mount Wittenberg Orca“ nicht verzweifeln muss, ist die Kollaboration mit Dirty Projectors. Björk liefert sogar „nur“ den Gesang, der ihr von den Dirty Projectors allerdings auch auf den Leib geschrieben wurde.

In sieben Liedern und 21 Minuten kann auch nicht allzu viel zu Bruch gehen. Im Normalfall. Björk schafft es regelmäßig innerhalb der Eröffnungsminuten den Hörer und seine Welt auf den Kopf zu stellen. So verwundert es, dass der Normalfall eintritt. „Ocean“ erinnert an Björks „Medùlla“, nur dass sie sich diesmal – das verrät schon der Albumtitel – ganz klar mit den Unterwasserbewohnern dieses Planeten unterhält. Wer Goldfische hat, sollte sich nicht wundern, wenn die Kiemenatmer anfangen Head zu bangen, während man selbst Watte in die Ohren stopft und sich einzureden versucht, dass das Gehörte Kunst sei.

Bevor die ersten Drohbriefe an die Redaktion geschickt werden, soll gesagt sein, dass Björk einfach das tut, was sie am besten kann: ungewöhnlich klingen. Was in „Ocean“ am Hörer vorbeiplätschert, macht sich in „On And Ever Onward“ als waschechter Popsong, der durch die vielen Stimmen als Instrumente zwar nie das Licht der Radiowelt erblicken wird, aber das kann auch kaum das Ziel sein, wenn man mit Björk zusammenarbeitet. Allerdings ist diese unfertige Mischung etwas, das niemanden voran bringt. Merkwürdiger Pop, der nicht ansatzweise an Björks Fantastereien herankommt und auch kein öffentlichkeitstaugliches Material. Man möchte fast meinen, dass die Dirty Projectors sich einfach nur einen Lebenstraum erfüllen wollten, indem sie mit Björk zusammen arbeiten. Verständlich, aber die Zusammenarbeit von Elton John und den Scissor Sisters war zumindest für die Masse fruchtbarer.

Sicherlich sind „On And Ever Onward“ oder „Beautiful Mother“ interessante Avantgarde-Tracks, die allerdings in der Hinsicht des Neuen versagen, da es für eine Björk nicht mehr als eine hingeworfene Idee ist. All das, was die Dirty Projektors sich auf dieser EP erdacht haben klingt so, als ob die Isländerin es aus dem Ärmel geschüttelt hätte. Mühelos. So fragt man sich zu Recht, was der grund dieser EP war, wenn es denn kein Lebenstraum war. Es bleibt nichts, als Dirty Projectors zu gratulieren und Avantgarde-Pop-Fans die Tracks „On And Ever Onward“ und „Beautiful Mother“ zu kredenzen. Viel mehr passiert in 21 Minuten nicht. Spätestens mit Björks „Biophilia“ bereut man diese Aussage wahrscheinlich.

Anspieltipps:

  • On And Ever Onward
  • Beautiful Mother
  • All We Are

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