Avocadoclub - Dusty Nights - Cover
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Avocadoclub Dusty Nights


  • Label: Dunefish/SPV
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Debüt nach zwölf Jahren. Das ist doch mal was. In einer Welt voller Klein- und Nicklichkeiten werden EPs schließlich von LPs unterschieden und so zählen die drei Outputs Avocadoclubs bis heute nicht als echte Langspieler. Dass ein Album mit neun Liedern auch erst seit kurzer Zeit als vollständiges Album zählt, ist natürlich eine andere Geschichte. Wir wollen Avocadoclub, eine echte Brit-Pop/Rock-Band in der Runde der Reichen und Schönen begrüßen. Ihr „Debüt“ setzt dabei auf Elton Johnsche Züge mit viel Piano, beschwingten Melodien, die an saubere Mando Diao erinnern („Mexico“) und natürlich typisch britischen Spoken-Words-Anteilen.

Gerade der Auftakt des Albums verspricht einzuhalten, was die Eingangszeilen erhoffen lassen. Die Coolness des Gesangs und der Melodie in „Morrison & Me“ hält locker mit Kasabian mit, überrascht dabei jedoch mit einem sehr klassischem Soundgerüst,. Psychedelisch wird ein Piano und eine ganze Menge Bläser von verzerrten Gitarren begleitet. Klingt nach verkopftem Art-House? Das Ergebnis klingt eher nach abgezocktem Brit-Rock, der seinen eigenen Weg geht und Hype würdig in jeder Hinsicht ist. Noch britischer wird es im Titeltrack, der auf Rock vollkommen verzichtet und mit mindestens genauso vielen Bläsern und Blockflöten(!!) auf Brit-Pop setzt, der von einem wieder jungen Elton John kommen könnte. Diese poppige Ader bleibt auch weiterhin erhalten, wenn „The Realist“ mit Shoegaze-Elementen für Laune auf dem Tanzboden sorgt. Das verspielte und hektische Tempo dieses Trios lässt keinen Raum für Kritik. Viel besser kann man nicht starten, wenn es einem nach Brit-Adventure steht.

Erst danach setzt eine kleine Schwächephase ein, wobei die Schwäche schlicht in der Wiederholung liegt. Zwar haben „Dusty Nights“ und „The Realist“ den Charme eines „Bad Head“ von Blur, doch Parklife wäre nicht so ein Erfolg gewesen, wenn jedes Lied gleich geklungen hätte. „King Of Nothing At All“ und „Geraldine Ford“ wiederholen das Erfolgsrezept des Albumaufklangs und sorgen so für Monotonie. Erst mit „The Comeback Kid“ kommen mit altmodischen Synthesizern, Spoken Words und einem weniger poppigen Ansatz neue Elemente hinzu, die den Hörer wieder vor die Boxen kriechen lassen.

Warum bis „Mexico“ gewartet wird, um endlich wieder auf die psychedelische Schiene zu wechseln, legen wir der Band jetzt als unbewusstes Verbrechen aus. Auch die minimalistische Ballade „The Frozen Astronaut“ zum Abschkuss schafft es, sich vom Gros des Albums abzuheben. Man könnte zwar sagen, dass „nur“ fünf Titel identisch klingen, aber auf einem Album mit neun Titeln ist dies mehr als die Hälfte, sodass die Langeweile nicht nur bei kritischen Ohren aufkommen kann. Dass das Album eigentlich auch schon nach 33 Minuten vorbei ist und ein langes Instrumental-Outro den Hörer in den Schlaf wiegt, macht die Angelegenheit nicht angenehmer für den wohl gesonnenen Kritiker. Eventuell hätten Avocadoclub auch diesmal nur eine EP herausbringen sollen, denn trotz der sehr ansprechenden Grundidee ihrer Songs, gehen ihnen zu schnell die Ideen aus.

Anspieltipps:

  • Morrison & Me
  • Dusty Nights
  • The Comeback Kid

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