Insomnium - One for Sorrow - Cover
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Insomnium One for Sorrow


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 53 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach einem verhältnismäßig warmen Spätsommer, fällt ein frostiger Herbsteinbruch mit einer durchschnittlich um 10 Grad kälteren Tagestemperatur immer besonders schwer. Die durch die Sonnenstrahlen produzierten Endorphine sind zudem plötzlich weg, die Blätter färben sich langsam rot bis braun und es ist schon um 18 Uhr dunkel. Während sich dieses natürliche Schauspiel dem herkömmlichen Mitteleuropäer spätestens im Oktober bietet, können Niilo Sevänen (Gesang, Bass), Ville Friman (Gitarre), Ville Vänni (Gitarre) und Marcus Hirvonen (Schlagzeug) in ihrer Heimat Finnland das ganze Jahr über Eisblumen am Fenster bewundern. Ob es allein daran liegt, dass sie mit ihrer Band Insomnium das musikalische Pendant zu einer Herbstdepression bilden und dies schon seit fast 15 Jahren mit einer Qualität vollbringen, das jedem, der ein Album des Vierers in sein Abspielgerät hineinlegt, sofort der eisige Wind Skandinaviens ins Gesicht bläst?

„One For Sorrow“, der fünfte Longplayer der Finnen, macht da jedenfalls keine Ausnahme. Bereits nach einer Minute schweben Insomnium über trostlose Wälder und karge Landschaften, indem sie in den Post Metal getriebenen Duktus des Openers „Inertia“ schroffe Gitarrenriffs einbauen, die symbolisch für klirrende Kälte stehen und ein Gefühl der Einsamkeit herauf beschwören. Wenn das Quartett dann noch erklärt „Der Begriff „One For Sorrow“ kommt von einem traditionellen Kinderlied, in dem es zehn verschiedene Szenarien gibt. Analog dazu gibt es auch zehn verschiedene Songs und Geschichten auf unserem Album. Ich denke, dass „One For Sorrow“ perfekt beschreibt, wovon dieses Album handelt: Verlassenheit, Trauer und Verlust.“ kann man sich denken, dass suizidgefährdete Menschen dieses hochemotionale Klanggebilde besser meiden sollten.

Alle anderen dürfen sich dafür über einen fabelhaften Cocktail aus der Kompromisslosigkeit Amon Amarths („Only one who waits“), der Schwermut Poisonblacks („Every hour wounds“) und dem melodischen Verständnis einer Band wie Dark Tranquillity („Lay the ghost to rest“, „Regain the fire“) freuen, was „One For Sorrow“ zu einem größtenteils unvergleichlichen Erlebnis macht. Besonders die Detailverliebtheit kennt keine Grenzen, sodass nach und nach das komplette Spektrum der Platte erschlossen wird und z.B. behutsam in das melodische Todesblei eingewobene Geigen erst ein paar Durchgänge später zum Vorschein kommen („Song of the blackest bird“). „One For Sorrow“ ist deswegen zwar nicht vor der einen oder anderen Länge geschützt („Unsung“), angesichts der absolut stimmungsvollen Atmosphäre sei dies den Jungs aber verziehen.

Anspieltipps:

  • Decoherence
  • Only One Who Waits
  • Lay The Ghost To Rest
  • Song Of The Blackest Bird
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