Die Priester - Spiritus Dei - Cover
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Die Priester Spiritus Dei


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 37 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Mehrwert dieses Musikerlebnisses lässt sich in einer runden Null beschreiben.

Es gibt dumme und es gibt inkonsequente Ideen. Beide haben ihre Schwächen und nur wenige Stärken. Wenn dann aber noch das eine Kalkül mit dem anderen einen Trinken geht, kommen schon mal so Ideen wie „Die Priester“ heraus. Im Land des Realitätsentzugs müssen Hochzeitsglocken geklungen haben, als man die Rechnung gottesfürchtige Musik + Pop = Erfolg im kommerziellen und religiösen Sinne aufgestellt hat. Nicht nur dass ein paar Genies meinen, dass Smetanas „Die Moldau“ oder „Freude schöner Götterfunken“ moderne Popmusik darstellen, nein, mit Priestergesang wirkt das alles noch viel massentauglicher. Vom Cover, das „Die Priester“ ein Kreuz plakativer ins Rampenlicht halten lässt, als jeder HipHop-Musiker sein Goldbeiwerk präsentieren kann, wollen wir gar nicht erst anfangen.

Wer Gregorian mag, der wird natürlich vor Freude ausflippen über das weitaus intimere Stimmenspiel der drei Gottesmänner. Alle objektiven Hörer ohne Affinität zur Kirchenmusik und zu schlecht gemachten Synthie-Pop-Soundlandschaften werden jedoch 37 anstrengende Minuten erleben, die irgendwie schnell, aber gleichzeitig nur zäh an einem vorüber gehen. Von der gewollt epischen Einleitung, die stark nach Joachim Kerzel (deutsche Stimme von Anthony Hopkins, Jack Nicholson, u.a.) klingt, die zum fremd schämen ist, bis hin zu beatlastigen Klangteppichen, die zu den Texten von „Oh Haupt Voll Blut Und Wunden“ oder „Tantum Ergo“ nicht gegensätzlicher sein könnten.

Das Katapultieren von Kirchenklassikern wie „Freude schöner Götterfunken“ geht für nahezu alle Hörer unter 40 Jahren völlig daneben und auch darüber werden die immer gleichen, wenn auch groteils guten Stimmen des geistlichen Trios nicht ausschließlich für höher schlagende Herzen sorgen. Ob jetzt die billige Aufmachung von „Hallelujah“, die sich schon mit Leonard Cohens Ausrutscher messen kann, oder Texte unter den Melodien von „Die Moldau“ oder dem Schwanensee (hier als „Glorificamus Te“) unnötiger und fremdartiger erscheinen, ist die Frage.

„Spiritus Dei“ ist genau wie Gregorian kein Verbrechen gegen die Musikwelt, doch der Mehrwert dieses Musikerlebnisses lässt sich in einer runden Null beschreiben. Das Mystische, dass solch Gesang in der Kirche mit sich bringt, wird von Synth-Lawinen überrollt und der fehlende Bezug zur Popmusik im Gesang der Priester schließt auch die umgekehrte Wirkung dieses Projektes aus. Da heißt es ganz schnell drei Kreuze machen, den Grauen vergessen und das Album bei versehentlichem Kauf unter all den bald wieder auftauchenden Weihnachts-Silberlingen verschwinden lassen. Nur eine letzte Bitte: Dieses Album sollte auch nicht fürs Schrott-Wichteln herhalten. Wir reden schließlich vom Fest der Liebe.

Anspieltipps:

  • Die Moldau
  • Freude Schöner Götterfunken

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