Toni Kater - Sie Fiel Vom Himmel - Cover
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Toni Kater Sie Fiel Vom Himmel


  • Label: Solaris Empire/Broken Silence
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Kombination ihrer Stimme mit rockigeren Tönen mag nach wie vor nicht funktionieren, aber das hat Toni Kater auch selbst bemerkt und es findet kaum noch Anwendung.

Toni Katers drittes Album fängt mit einem Synthiepopsong an. Die Dame ist „Verwirrt“, kein Wunder, ist sie zunächst in „Venedig“ und singt deutsch, so ist es im nächsten Song bereits „America“ und zwar auf Französisch. Ganz schön „Krass“ und wenig überraschend, dass der Eindruck entsteht „Sie fiel vom Himmel“ oder doch eher aus allen Wolken?! Auf jeden Fall sind die 46,5 Minuten Musik farbenfroher als ein „Tattoo“, was zugegebenermaßen noch kein besonderes Kompliment ist, im Ernst, sie sind interessanter und tiefgründiger als übliche Popmusik. Hier gibt es kein Gewummer, kein Gehämmer und auch keine sinnlosen Texte, deren Ziel es ist lediglich einer Melodie gerecht zu werden und damit dem Hörer Honig ums Maul zu schmieren. Toni Kater ist anders, kein „Raubtier“ wie die Lady Gagas dieser Welt, und das trotz der maskulinen Namenskombination. Der Synthiepop der ersten Minuten ist nur ein kleines Ablenkungsmanöver von der eigentlich verträumten Art, in der sie ihre Lieder zu singen vermag.

Es ist ehrliche handgemachte Musik für all die Genießer da draußen, die auf das hohe Tempo der heutigen Zeit zumindest in ihrer Freizeit gerne verzichten. „Was du sieht“ oder eher hörst auf diesem Album ist melancholischer Pop mit immer wieder etwas anderen musikalischen Lösungen. Die Kombination ihrer Stimme mit rockigeren Tönen mag zwar nach wie vor nicht funktionieren, aber das hat sie auch selbst bemerkt und es findet kaum noch Anwendung. Toni hat ihre Stärken erkannt und ihre Kompositionen in ein leiseres und gediegeneres Klangumfeld gebettet. Experimentierfreudig ist die Dame aber nach wie vor und stellt ihrem traurigen Gesang ab und an auch konträr wirksame Töne, ein gewisses Spannungsfeld, entgegen. Dies mag zunächst befremdlich klingen, erweist sich im Endeffekt aber als eine sehr gelungene Form der Antithese, die einigen Songs den nötigen Pepp verleiht. Oft kommt ein Synthesizer zum Einsatz, der manchem ruhigen, eher langsam dahinfließendem Song zum Ende doch noch eine interessante Steigerung verleiht, dabei scheut sie weder coole Trip-Hop noch düstere Elektroeinlagen.

Vielleicht hat der ein oder andere Toni Kater dank der 60-Jahre-VW-Werbung kennen gelernt für die das „Fuchslied“ verwendet wurde. Auf diese Weise haben viele auch den 1974 verstorbenen Singer/Songwriter Nick Drake entdeckt. Der Autobauer scheint ein Faible für solche Songs zu haben, sehr positiv, denn „1 Land“ wie Deutschland läuft ansonsten momentan leider lediglich Trends hinterher. „Was sind das für Zeiten“, in denen die großen Labels nur Musik nach ihren eigenen Vorlagen und Schablonen akzeptieren, austauschbare, sich wiederholende, langweilige musikalische Rezepte, die mittlerweile auch noch mit Fernsehsendungen verschönt werden. Zum Glück gibt es nach wie vor Menschen, die ihren eigenen musikalischen Weg gehen, also mach weiter so Toni, „Geh nicht kaputt“ an diesen Zeiten, an dieser fragwürdigen Welt der Musik.

Anspieltipps:

  • Krass
  • Fuchslied
  • Was du siehst
  • Venedig

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