Pop Will Eat Itself - New Noise Designed By A Sadist - Cover
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Pop Will Eat Itself New Noise Designed By A Sadist


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
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6/10 Unsere Wertung Legende
3.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Wort Urväter klingt übertrieben, aber Legenden klingt auch nicht gerade bescheidener. Vom ikonischen Namen Pop Will Eat Itself über zur nicht revolutionären, aber dennoch nirgends sonst so konsequenten Vermischung von Alternative-Rock und Industrial, sowie einer Spur Techno, hat die britische Band im Zeitraum von 1986 bis 1995 zu dem gemacht, was sie heute für die Rocker des vorletzten Jahrzehnts ist. Eine neue Form von Rock-Musik, die durch repetitive Elemente und Samples die Welt der Clubs und der Konzerthallen vereinte. Graham Crabb hat bis heute daran geglaubt, dass seine besten Lieder immer jene für Pop Will Eat Itself waren und so hat es über 15 Jahre gedauert, bis er unter dem alten Namen mit neuen Mitmusikern wieder die Musikszene aufmischen darf, wenn diese ihn nicht längst überholt hat.

Viel Mut macht der Auftakt des Albums in Gestalt von „Back 2 Business“ nicht, da diese gute Minute verschwendet klingt. Der Hörer bekommt wirklich das Gefühl mehr als eine Minute seiner Lebenszeit verloren zu haben, was ziemlich traurig ist. PWEI wissen wohl selbst nicht so genau, was sie mit diesem Intro aussagen wollten, so wabernd und ziellos klingt diese unausgegorene Industrial-Instrumental-Interlude. Da überrascht es, dass dieser Ausrutscher wie bei einer guten Vorstellung einfach weg gelächelt – oder in Crabbs Fall weg gerockt – wird und „Chaos & Mayhem“ und „Nosebleeder Turbo TV“ alle Bedenken in Staub verwandeln. Besonders interessant ist für deutsche Hörer letzterer Track, da er unverkennbar an Deichkinds „Arbeit Nervt“ erinnert.

PWEI geben sich alle Mühe modern zu klingen mit einer Mischung aus Punk und Industrial, wogegen völlig überalterte Instrumentalparts stehen, wie zum Beispiel der Auftakt von „Mask“. Gerade der Industrial-Anteil der Lieder kann sich allerdings mit den Größen des Genres messen und überrascht auch für den Mainstream mit erstaunlich viel Melodie, die sich unter all den motorischen Geräuschen ausmachen lässt. Hier liegt aber auch das Problem der Platte, da sie ihrem Titel „New Noise Designed By A Sadist“ in keiner Weise gerecht werden kann. Zu harmlos klingen die Beats und auch der sphärische Gesang als Kontrapunkt weiß nicht vom Hocker zu hauen.

Ein wenig muss man sich das Dilemma vorstellen, als hätten Prodigy sich seit „Firestarter“ und „Smack My Bitch Up“ nicht weiterentwickelt. Da freut sich eine Hand voll von Hardcore-Fans, doch jeder objektive Hörer wird das Gefühl nicht los, dass die Zeit an den Rhythmen genagt hat. Pop Will Eat Itself bleibt die 41 Minuten Laufzeit kompromisslos und geradlinig, doch der vorgegebene Pfad des Albums klingt so, als wäre das Verfallsdatum abgelaufen.

Anspieltipps:

  • Chaos & Mayhem
  • Nosebleeder Turbo TV
  • Mask

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