Russian Circles - Empros - Cover
Große Ansicht

Russian Circles Empros


  • Label: Sargent House/CARGO
  • Laufzeit: 41 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Was sind eigentlich russische Kreise? Sind das solche schlangenförmigen sich nicht wirklich schließenden Kreise, die Menschen in nicht nüchternem Zustand versuchen zu Fuß zurückzulegen? Die Musik des Trios aus Chicago ließe sich damit jedenfalls ganz gut beschreiben, denn in Kreisen bewegen sich der Herren nicht wirklich. Sie genießen eine Ausnahmestellung im Post-Rock, denn neben dem Kreieren einer speziellen Atmosphäre, dass in diesem Genre das A und O ist, entladen sie gerne ihre überschüssige Energie in aggressiven Riffattacken aufs Trommelfell. In Wahrheit sind Russian Circles eine Übung im Eishockey, aber dies nur am Rande.

Jedes Album der Band hatte bisher eine etwas andere Ausrichtung; von dem vor Energie berstenden „Enter“, dem sich mehr zurückhaltenden „Station“ bis zum düsteren Meisterwerk „Geneva“. Zunächst scheint auf „Empros“, dem vierten Album des Trios, alles üblich unüblich abzulaufen. Ihr charakteristischer Sound aus Sullivans kratzigen Gitarrenklängen, dem verzerrten Bass von Cook und dem unkonventionellen Trommeln von Turncrantz scheint allgegenwärtig zu sein. „309“ ist wie ein zappeliges Kind, dass jede Minute eine neue verrückte Idee ausheckt um möglichst viel Mist zu bauen, besonders der tief grollende Bass unterstreicht das. „Atackla“ schlägt in eine ähnliche Kerbe und „Mlàdek“ ist ein sehr gutes Stück, das auch auf „Geneva“ einen Platz hätte einnehmen können. Moment mal, es ist schon auf „Geneva“ drauf, denn es hört sich wie eine abgewandelte Version von „Melee“ an, nur ohne Streicher und mehr Rocksound. Einige Passagen weisen eine frappierende Ähnlichkeit auf, die Länge beider Stücke ist sogar genau gleich.

Das Problem von „Empros“ wird erst nach dem Konsum des ganzen Albums deutlich, wenn einem auffällt, dass man seltsam unbewegt zurückbleibt. Ist es der Zusammenhalt der Songs, die Emotionen oder die Seele, hier fehlt etwas wichtiges was einen diese Musik sonst viel tiefer empfinden lässt, etwas das auf „Geneva“ durchgehend zu finden war. Turncrantz trommelt gar nicht mehr so unkonventionell wie auf den Vorgängern. Es fehlen schlicht diese einprägsamen Motive. Die Härte ist in der Musik zwar präsent, besitzt aber nicht die Durchschlagskraft von „Enter“.

Das Album steuert musikalisch nichts Neues in die Welt von Russian Circles bei. „Schiphol“ besteht aus zwei Teilen, die sich sehr ähneln obwohl sie ein Kontrast teilt, nämlich die Lautstärke. Der Song wird zwar plötzlich lauter, aber verläuft sich im Endeffekt im Sand. Auch „Batu“ durchschreitet seine sechs Minuten seltsam motivationslos und im abschließenden „Praise Be Man“ erfolgt die gesangliche Premiere für diese Band, die um ehrlich zu sein nicht wirklich interessant ausfällt. Erschwerend kommt hinzu, dass der teilweise matschige Klang des Albums eher an ein Bootleg denn eine zeitgemäße Musikaufnahme erinnert. „309“ mit dem Prädikat Blechdosensound zu titulieren wäre noch ein Kompliment, aber hoffentlich liegt das nur an der Promo. Am Ende haben wir drei von sechs Stücken, die zu gefallen wissen, aber ohne wirkliche Höhenflüge. Das ist für die Verhältnisse dieser Band leider nur Durchschnitt.

Anspieltipps:

  • Mlàdek
  • 309
  • Atackla

Neue Kritiken im Genre „Post-Rock“
Diskutiere über „Russian Circles“
comments powered by Disqus