Anna Ternheim - The Night Visitor - Cover
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Anna Ternheim The Night Visitor


  • Label: Stockholm/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Anna Ternheim ist 33! Wieder ein Grund zum Feiern! Zum letzten Album „Leaving On A Mayday“ war die Schwedin runde 30 und jetzt ist also die Schnapszahl angesagt. Im Gegensatz zu Coldplay brennt Ternheim aber kein Effektfeuerwerk ab, sondern bleibt sich mit ruhigen Arrangements rund um Folk und Singer/Songwriter treu. „The Night Visitor“ soll so unspektakulär und gelungen sein, wie man es bisher von der kecken Skandinavierin kennt. Zusammen mit Produzent Matt Sweeney, Dave Ferguson und u.a. Will Oldham hat Anna Ternheim sich abermals hohe Ziele gesteckt.

Zeitlos möchte sie mit ihrem Album sein und in den Club der tiefgründigen Singer/Songerwriter eintreten, dem dieses Jahr schon Namen wie Nathaniel Rateliff beigetreten sind. Folklorisch und minimalistisch eröffnet Ternheim mit „Solitary Move“ ihr Album und offenbart viele Details, die viel Feinarbeit im Studio ausmachen lassen. Das Lied strotzt vor kleinen Details, welche die Eröffnung lebendig machen. Während sich die schlichte Melodie nahezu wehrt ins Ohr zu gehen, gibt es keinerlei Möglichkeit den wiederkehrenden Einzeltönen zu entkommen, die den Hörer zurück ins Lied holen.

Diese Art von Musik würde Anna Ternheim gewiss keinen Ruhm, aber viel Anerkennung bringen. Anerkennung allein schmiert allerdings keine Brote und so besinnt sich die Schwedin schnell auf einfachere Strukturen, wie das Duett „The Longer The Wait (The Sweeter The Kiss)“ oder die sanfte, aber belebte Nummer „Lorelie – Marie“. Schnell verschwindet der Funke, der die Lieder zu etwas besonderem werden lässt. „What Remains?“ scheint da positiv durch, wogegen der Anschluss mit „Bow Your Head“ und „Walking Aimlessly“ ein wenig überambitioniert ätherisch klingen möchte. Gerade der Instrumental-Part in „Bow Your Head“ sorgt jedoch dafür, dass man auch weiterhin die Wörter „schlechte Musik“ und Anna Ternheim nicht in einem Satz unterbringt.

Der Studioklang sollte die Studiowände erfüllen, sagt Ternheim und einen durchdringenden Sound hat sie mit ihrer minimalistischen tatsächlich geschaffen. Dieses Gefühl, dass selbst die Stille den Raum füllt, ist angenehm und phasenweise sogar aufregend. Dagegen stellt sich die zarte Musik der Schwedin, die weiterhin am hellsten scheint, wenn sie sich in schlichten Tongewändern (z.B. „God Don't Know“ oder „Black Light Shines“) präsentieren darf. Den ambitionierteren Stücken fehlt es an Ausdruck und Extravaganz, um sich ein sofortiges Wiederhören zu wünschen. Der Fluch eines reibungslosen Albums trifft Anna Ternheim, denn „The Night Visitor“ lässt sich jederzeit in den Plattenspieler legen und keiner würde sich äußern – weder im Guten noch im Schlechten.

Anspieltipps:

  • The Longer The Waiting
  • Walking Aimlessly
  • Dearest Dear

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