Vallenfyre - A Fragile King - Cover
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Vallenfyre A Fragile King


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei Paradise Lost (letztes Album war „Faith Divides Us - Death Unites Us“ vom September 2009) steht Gitarrist Greg Mackintosh „nur“ in der zweiten Reihe, doch das durch ihn initiierte Projekt Vallenfyre ist trotzdem kein Soloalbum im herkömmlichen Sinn geworden. „Das Album heißt „A Fragile King“ und verweist auf den Kampf meines Vaters gegen den Krebs, den er leider verlor.“ lautet die traurige Zusammenfassung hinter der Entstehungsgeschichte von Vallenfyres Erstling, dessen dunkles und rohes Klangbild vornehmlich auf die Bewältigung des Verlustes zurückzuführen ist. „Als es irgendwann sehr selbstzerstörerisch wurde, entschied ich mich, dies in etwas Kreativem zu kanalisieren – als Tribut an den Mann, der uns zu unseren ersten Gigs fuhr, weil keiner von uns einen Führerschein hatte. Der einzige Dad, den ich kannte, der sich die Peel Sessions von Bolt Thrower im Radio anhörte. Der Mann, der mir mein erstes Gitarrenbuch schenkte. Ich entschied mich, dass ich zum Anfang zurück gehen wollte, zurück zu meinen Wurzeln im Death, Crust und Doom.“

Paradise Lost-Fans der ersten Stunde dürfen nach dieser Ankündigung schon mal mit der Zunge schnalzen, denn „A Fragile King“ ist nicht nur von unzusammenhängenden Gedanken über den Tod und dem persönlichen Verlust des Gitarristen getrieben, sondern stellt eine großartige Rekonstruktion des Sounds Ende der 80er dar, was Mackintosh folgendermaßen rekapituliert: „Ich fing an, mit zig Leuten rund um den Globus Tapes zu tauschen und hörte plötzlich einen Haufen arschcooler, extremer Mucke. Autopsy, Napalm Death, Repulsion, Morbid Angel, Nihilist sind einige der bekanntesten Namen aus dieser Zeit, aber auch unter den heutzutage wohl komplett vergessenen Bands war jede Menge krachiger Stoff, den ich mir damals reinzog. Mit einem Freund gründete ich um diese Zeit Paradise Lost. Unsere frühen Stücke klangen wie ein Mix aus dem genannten Zeug und starken Doom-Einflüssen, die durch solche Bands wie Candlemass, Trouble und Saint Vitus ihren Weg in unseren Sound fanden.“

Mit den Gitarristen Hamish Glencross (My Dying Bride) und Mully, Bassist Scoot (Doom, Extinction Of Mankind) und Drummer Adrian Erlandsson (At The Gates, Paradise Lost) spielte Mackintosh nun einen fesselnden Bastard aus Death und Doom ein, der nicht nur als tiefe Verbeugung vor seinem Vater, sondern auch als Hommage an die damalige Zeit verstanden werden kann. Es rumpelt stets oldschoolig, aber angenehm differenziert, rasantere Nummern wie „Desecration“, „A thousand martyrs“ oder „As the world collapses“ packen den Hörer sofort bei der Gurgel, gedrosselte Kompositionen siechen als erkaltende Lavabrocken langsam dahin („Seeds“, „The grim irony“) oder brechen wütend aus ihrem schlammigen Morast aus („Cathedrals of dread“, The divine have fled“) und mit „My black Siberia“ gibt es sogar eine Nummer, die man ohne weiteres als rotzige B-Seite des letzten Paradise Lost-Albums verkaufen könnte.

Fans schwarz gefärbter Doom-Brocken im Todesblei-Mantel sollten bei „A Fragile King“ also besonders die Ohren spitzen, denn eine fundiertere, packendere und emotionalere Zeitreise um ca. 1985 - 1989 wird man so schnell nicht mehr zu hören bekommen. Bedauerlich an Vallenfyre ist lediglich, dass es erst zu einem tragischen Tod kommen musste.

Anspieltipps:

  • Seeds
  • Desecration
  • A Thousand Martyrs
  • The Divine Have Fled
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