Night In Gales - Five Scars - Cover
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Night In Gales Five Scars


  • Label: Lifeforce Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

1995 galten Night In Gales als eine der wenigen deutschen Bands, die sich dem Melodic Death Metal verschrieben haben, noch als Vorreiter. Über 15 Jahre später und ein sattes Jahrzehnt nach dem letzten Longplayer „Necrodynamic“ (04/2001) genügt es freilich nicht mehr zu At The Gates, Dark Tranquillity und In Flames aufzuschauen und minimale Veränderungen im Klanggebilde der mittlerweile ungleich größeren Zielgruppe anzubieten. „Five Scars“ soll demnach also gleich zwei Vorgaben bedienen, denn immerhin gilt es nicht nur einen eigenständigen Sound vorzuweisen, sondern auch den treuen Fans zu zeigen, dass mit Night In Gales auch in 2011 zu rechnen ist.

Björn Gooses (Gesang), Jens (Gitarre) und Frank Basten (Gitarre), Tobias Bruchmann (Bass) und Adriano Ricci (Schlagzeug) gelingt dies nach dem traurigen Streicherintro „Epitaph“ gleich blendend und neben donnernden Drums, einer mitreißenden Melodie und unbarmherzig kreischenden Shouts ist „This neon grave“ schon der erste intensive Höhepunkt. Mit „Days of the mute“ machen Night In Gales dann einen Abstecher zu Paradise Lost und pachten kurzerhand die Verletzlichkeit des britischen Acts, wodurch die Erwartungshaltung an die übrigen Tracks in schwindelerregende Höhen klettert.

Der anschließende Titeltrack breitet sich regelrecht episch aus und drückt in seinen flotteren Passagen gegen Caliban und Artas, das Schwedendeath-Triumvirat Dark Tranquillity, In Flames und At The Gates bleibt jedoch stets allgegenwärtig, was nicht nur durch den schwachen Abklatsch „Void venture“ unterstrichen wird, der keinen Hehl daraus macht sich bei „We Are The Void“ (02/2010) zu bedienen. Plötzlich bricht allerdings das komplette Night In Gales-Kartenhaus in sich zusammen und neben monotonem Gekotze („Tides of november“ ist fast nicht zu ertragen), langweiligen Standardtracks („Life denied“) und kaum packendem Geprügel und Geschrei („Endtrip“, „A mouthful of death“, „Blackmouth blues“), finden sich nur mehr vereinzelte Lichtblicke, die den völligen Exitus abwenden können („Whiteout“, „Bloodsong“).

Ungeachtet des extrem starken Beginns ist „Five Scars“ leider eine handfeste Enttäuschung geworden, wobei Sänger Björn und Drummer Adriano die schwächsten Glieder in der ansonsten recht soliden Melodeath-Kette der Deutschen sind, denn wo die Schlagzeugparts an einigen Stellen hohes Verbesserungspotential offenbaren („z.B. am Beginn von „Life denied“), richtet das gleichförmige Geschrei von Herrn Gooses den einen oder anderen Song regelrecht zugrunde (allem voran im bereits erwähnten „Tides of november“). Nichtsdestotrotz sprühen die Raspelriffs der Basten-Brüder vor Spielfreude und spartanisch eingesetze Klargesangspassagen sorgen für Gänsehaut, unterm Strich ist das für ein Album, das sich gegen eine ganze Armada an qualitativ hochwertigen Bands in ihrem musikalischen Umfeld durchsetzen muss, eindeutig zu dürftig.

Anspieltipps:

  • Bloodsong
  • This Neon Grave
  • Days Of The Mute

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