Niels Frevert - Zettel Auf Dem Boden - Cover
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Niels Frevert Zettel Auf Dem Boden


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
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Der Hamburger Musiker interpretiert seine grundlegend als Singer/Songwriter zu verstehende Musik mit einer Weite, die ihresgleichen sucht.

Als Sänger und Songwriter der Hamburger Band Nationalgalerie hatte Niels Frevert wesentlichen Anteil an dem Erfolg nicht nur der Hitsingle „Evelin“, sondern auch an vier prägenden Alben, die deutschsprachige Rock-Musik schon lange vor Silbermond und Konsorten flächendeckend in den Radios und im Musikfernsehen etablierte. Obwohl sich Nationalgalerie 1996 auflösten, zögerte Niels Frevert nicht lange und veröffentlichte bereits ein Jahr später sein selbstbetiteltes Solodebüt auf einem Major. Rückblickend kann man sagen, dass glücklicherweise der Erfolg ausblieb und erst die Verbindung zum von Dirk Darmstaedter geführten Label Tapete Records ließ etwas entstehen, das nun schon mit dem dritten Album „Zettel auf dem Boden“ Nachhaltigkeit in Musik und Text förmlich buchstabiert.

Der Hamburger Musiker interpretiert seine grundlegend als Singer/Songwriter zu verstehende Musik mit einer Weite, die ihresgleichen sucht. Allein der kammermusikalische Blues von „1 m² Regenwald“, durch Bläser und Klavier bis ins Mark ausformuliert, ist die kleine Offenbarung, welche mit großartigem Text sowie spielerischem Vergleich zwischen menschlicher Tragödie und der Rettung des Regenwaldes aufwartet. Im folgenden „Frustrationstoleranz, Herr Frevert“ spinnt Spiderman zusammen mit Niels, während der schmucke federnde Schlagzeug-Rhythmus samt feingliedriger Gitarre die Spielfreude ohne Umschweife an den Hörer weiterreicht. Es scheint so leicht, vielseitig instrumentiert und stimmig um Streicher, Klavier sowie perfekt dosierter Bläser erweitert, die Musik kernig zu gestalten, doch der textlichen Raffinesse genauso viel Relevanz zuzugestehen. Auf dem Papier eher eine Randnotiz, doch gerade deutsche Songwriter scheitern des öfteren an exakt diesem Zusammenspiel.

Niels Frevert wächst in diesem Kosmos kontinuierlich, umschifft auch den drohenden Streicher-Kitsch bei „Blinken am Horizont“ mit Bravour, nutzt stattdessen die Chance und suhlt sich gefällig in luftigem Pop. Der Refrain, die Postkarten aus dem Jenseits, setzt sich fest, ehe „Zürich“ so melancholisch in ein waberndes Piano gepackt die Wärme für mindestens einen Winter offeriert. Nach „Du Kannst Mich An Der Ecke Rauslassen“ (2008) brilliert der König der unfassbar schönen Wortspiele und präzise weitläufiger Instrumentierung wieder einmal, dass es eine absolute Freude ist.

Anspieltipps:

  • 1 m² Regenwald
  • Frustrationstoleranz, Herr Frevert
  • Blinken Am Horizont
  • Zürich

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