Dakota Suite - The Side Of Her Inexhaustible Heart - Cover
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Dakota Suite The Side Of Her Inexhaustible Heart


  • Label: Glitterhouse Records
  • Laufzeit: 77 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Chris Hooson ist Anhänger des FC Everton, wahrlich kein Fußballverein, der einen Freudentänze aufführen lässt, denn meistens finden sich die Liverpooler im Niemandsland der englischen Premier League Tabelle wieder. Ein musikalisches Niemandsland bestreitet Hooson mit Dakota Suite seit 1996. Konnte man die ersten Veröffentlichungen noch als Art- oder Kammer-Folk-Songs mit Dark Country-Elementen bezeichnen, so lassen die letzten Alben und das vorliegende keine Schubladisierung mehr zu.

Auf „The Side Of Her Inexhaustible Heart“ ist von Melancholie kaum eine Spur, Dakota Suite liefern den Soundtrack für die Tristesse im November mit dunkler Poesie in tiefen Molltönen. Hooson komponiert seine Musik nahezu ausschließlich für seine Ehefrau Johanna, deren Fotografien das perfekt entsprechende Bildmaterial zu Hoosons Kompositionen liefern. Eine entscheidende Rolle spielte dieses Mal Quentin Sirjacq, der für die Arrangements und das nahezu omnipräsente Piano zuständig war. Außerdem spielte er Orgel, Vibraphon und eine Percussion, die eher zu erahnen, denn herauszuhören ist. Nicht wegzudenken die Streicher (Cello, Violine und Viola), die ganz wesentlich zur schwermütig-poetischen Stimmung beitragen. Chris Hooson spielt eine zurückhaltende Gitarre und steuert auf sechs der 16 Tracks auch Gesang bei. Seine Stimme ist mehr am zärtlichen Flüstern, denn am Singen, unverkennbar Chris Hooson.

Der Brite schreibt wahrlich keine herkömmlichen Songs. Er ist ein Verlorener und Suchender, er sucht nach Tönen, Stimmungen und Pausen. Hooson selbst sagt: „Zwei meiner absoluten Helden – Arvo Part und Bill Evans – lehrten mich, dass man NUR das spielen muss, was wirklich nötig ist. Die Stille, die Momente zwischen den Tönen, das ist Johanna.“ Wie sehr Hooson seine Frau und die Musik liebt kommt abermals in seinen eigenen Worten zum Ausdruck: „Ich schreibe diese Songs, um ihr zu sagen, dass ich weiß, was sie für mich tut. Obwohl ich sie oft verletzt und ihr tiefe emotionale Narben zugefügt habe, weil ich den Weg durch das Leben nicht finde. Und obwohl ich mich selbst hasse und verabscheue, liebt sie mich. Und das hält mich am Leben.“ Und das lässt ihn diese Musik komponieren, die ebenso zwischen Schwermut und Liebe schwingt wie sein Leben. Während diesbezügliche Worte wahrscheinlich nie ganz ohne Pathos auskommen, ist Dakota Suite Musik alles andere als pathetisch. Sie ist tief empfunden, poetisch und wahrhaftig zugleich.

Von „The Side Of Her Inexhaustible Heart“ sollten sich Menschen, die unter ernsthaften Depressionen leiden, fernhalten, denn in den dunklen Tiefen dieser Musik kann man leicht verloren gehen und nicht jeder hat eine Johanna an seiner Seite und erkennt die Zärtlichkeit dieser Kompositionen. Darf man hierzu noch Art-Pop oder Kammer-Folk sagen? Bei Dakota Suite greifen keine Genrezuordnungen mehr. Selbst die Bezeichnung kammermusikalische Kunstlieder ist nur die halbe Wahrheit. Die ganze trägt Chris Hooson in sich, der seine Gefühle und Stimmungen in Musik umsetzt, die trotz aller Schwermut eine poetische Schön- und Wahrheit in sich birgt. Allerdings wird die Bereitschaft zur Hingabe vorausgesetzt. Wer imstande ist, konzentriert und wahrhaftig zuzuhören, wird bei aller Finsternis die Zärtlichkeit und Wärme dieses Albums wahrnehmen.

Anspieltipps:

  • The Side Of Her Inexhaustible Heart
  • Becoming Less And Less
  • Yes We Will Suffer
  • As Long As Forever Is

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