The Miserable Rich - Miss You In The Days - Cover
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The Miserable Rich Miss You In The Days


  • Label: Hazelwood/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Was macht unser allerliebstes „Kammerpoporchester ohne Schlagzeug und Verstärker“ als nächstes? Nach den hochgelobten „12 Ways To Count“ und „Of Flight & Fury“ überraschen sie uns mit einem Schlagzeuger namens David Schlechtriemen. Außerdem gingen sie für das aktuelle „Miss You In The Days“ in das nordenglische Anwesen „Blickling Hall“, wo angeblich der Geist von Anne Boleyn spuken soll. Boleyn war die zweite Frau von Heinrich VIII. und wurde im 16. Jahrhundert wegen Ehebruch und Hochverrat enthauptet. Das Anwesen bauten The Miserable Rich kurzerhand zum Studio um, wo sie zehn neue Songs einspielten. „Spooky but sexy“ sei das Album geworden, so die Umschreibung der Band und mit einem Schlagzeuger an Bord lassen sich Geister besser erschrecken, womit ein vermeintlicher Grund für die Hinzunahme eines Trommlers gefunden wäre.

Doch bekanntlich bleibt ja alles gleich, desto mehr sich verändert. Demzufolge bleibt auch der Rhythmus auf „Miss You In The Days“ eine eher nebensächliche Angelegenheit, vielmehr sind es wieder die Arrangements von William Calderbank, die Stimme von James Malplaquet und die wiederum herrlich in Szene gesetzten Streicher, die „Miss You In The Days“ zu einem weiteren Höhepunkt im Schaffen der Briten werden lassen. Die EP „Anything’s Possible“ war schon mehr als ein Vorbote für diese wundervollen Songs, die wieder die für The Miserable Rich typische Melancholie, Magie und Euphorie versprühen.

„Laid Up In Lavender“ eröffnet das Album mit allen Zutaten und könnte man einen Song einatmen, dieser würde nach Lavendel duften. Und was macht das Schlagzeug? Es bringt dem Song Dynamik und Schwung bei ohne dabei aufdringlich zu werden. „Imperial Lines“ biegt mit Streichern in Molltönen um die Ecke, wo sie sich aufschwingen und mit Klängen jenes 16. Jahrhundert heraufbeschwören. Und was macht James Malplaquet? Der singt wie ein in den Lüften herumfliegender Vogel, frei jubilierend oder verhalten tremolierend. „Tramps“ kommt mit zirpenden Saitenklängen und beinahe zigeunerhaften Rhythmen daher. „Honesty“ balladiert mit wohlklingender Akustikgitarre, die von zehrenden Streichern flankiert werden. Und was macht der Geist von Anne Boleyn? Der hat von der Stimme James Malplaquets Besitz ergriffen und mäandert durch die verschlungenen Lyrics und musikalischen Lyrismen von „Ringing The Changes“ und „The China Shop Of Dreams“.

Bei „On A Certain Night“ und auch auf vielen anderen Stücken dieses Albums vergegenwärtigt sich britische Folk-Tradition, die sozusagen zwischen und mit den Tönen schwingt. Dazu mischen sich mittelalterliche und klassische Klänge, ein musikalisches Spinnennetz, das an seidenen Fäden hängt. Eleganter Art-Pop wie „Under Glass“ mit Minimal-Music-Elementen gehört ebenso dazu wie das swingende „Pillion“ und das nun ja geisterhafte „True Love“. Und was macht eigentlich John Cale? Ihm sollte mal jemand ein Album von The Miserable Rich vorspielen. Der Godgrandfather des Artpunk und das junge Kammerpoporchester, das wäre ein Ding, obwohl gerade Arrangements und Produktion auch ohne den alten Meister ganz vorzüglich gerieten. Whatever happens next, The Miserable Rich werden auch in Zukunft überzeugen. Die Magie der Gegenwart heißt „Miss You In The Days“!

Anspieltipps:

  • Laid Up In Lavender
  • The China Shop Of Dreams
  • Under Glass
  • True Love

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