Rihanna - Talk That Talk - Cover
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Rihanna Talk That Talk


  • Label: Def Jam/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch mit Rihannas neuestem Longplayer „Talk That Talk“ erfolgt eine sorgfältige Zielgruppenbedienung.

Eigentlich kann man sich nur wiederholen: Rihanna (23), neben Lady Gaga (25) der zurzeit angesagteste weibliche Popstar der Welt, wirft in einer atemberaubenden Geschwindigkeit neue Singles, Studio- und Remixalben auf den Markt, dass der Begriff „Dauerpräsenz“ einen ganz neuen Maßstab bekommt. Trotzdem geht das Spiel auf, wenn den Verkaufszahlen von kolportierten 100 Millionen Singles und 30 Millionen Alben (inkl. Downloads freilich) Glauben geschenkt werden darf.

Inzwischen werden zwar schon Stimmen laut, die sich über die heftige Dauerbeschallung beschweren, doch solange das Konzept mit dem bunten Stilmix, der pro Album im Schnitt drei bis vier Hitsingles garantiert, weiterhin aufgeht, wird sich kein TV- und Radiokonsument dagegen wehren können. Und im Prinzip macht das Rihanna-Lager ja auch alles richtig. Denn so wie Künstler in den 60er Jahren mehrere Studioalben pro Jahr auf den Markt gebracht haben, um die Nachfrage zu bedienen, entwickeln die Songschreiber für Rihanna immer genau so viel aktuelles Material, wie die Charts innerhalb von 12 Monaten verkraften können.

Dadurch ist Rihanna musikalisch immer Up to Date, auch wenn sie Ihre Musik damit dem Status eines Wegwerfprodukts gleichsetzt. Aber ist es nicht genau das, was der Markt verlangt? Wer sich Musik aus dem Internet herunterlädt und als seelenlosen Digitalschrott auf PC und Handy speichert, braucht das ganze Drumherum wie schön aufgemachte Booklets und Hintergrundinformationen gar nicht mehr. Landet früher oder später eh auf dem Müll. Dass sich Rihanna zu Promotionzwecken trotzdem gerne nackig macht und jeden zweiten Tag in der Klatschpresse steht, geschenkt! File under „Produktmarketing“.

Auch mit Rihannas neuestem Longplayer „Talk That Talk“, der wie schon seine beiden Vorgänger „Loud“ (11/2010) und „Rated R“ (11/2009) gerade rechtzeitig für den großen Weihnachtsreibach fertig wurde, erfolgt eine sorgfältige Zielgruppenbedienung. Die Kids werden durch einen anrüchigen Videoclip im Stil von The Prodigys „Smack my bitch up“ zur ersten Single „We found love“ heiß gemacht und mit einer Hookline eingefangen, die sich auf Anhieb ins Gedächtnis eingräbt und im nächsten App-Store als Klingelton geordert wird.

So funktioniert Popmusik heute. Und Rihanna hat gleich mehrere Trümpfe dieser Art auf „Talk That Talk“ anzubieten. Diese werden zwar im gleichen Maße mit Füllmaterial aufgewogen, aber das ist eigentlich vollkommen egal. Es gilt schließlich nur die vier bis fünf (potenziellen) Singlehits herauszufinden, die zwischen Pop, R&B, HipHop/Rap und Dancehall angesiedelt sind. Auf dem Weg dorthin stellt sich „Talk That Talk“ quasi als eins-zu-eins-Kopie von „Loud“ heraus, indem Jay-Z und Calvin Harris als Duettpartner die Rollen von Eminem (39) und Nicki Minaj (26) einnehmen und die obligatorischen E-Gitarrenklänge diesmal in Form eines Metallica-Samples aus „Wherever I may roam“ in „Red lipstick” auftauchen. Für die Skandalabteilung empfiehlt sich darüber hinaus den Text von „Cockiness (love it)“ zu googeln.

Das alles fördert den Wiedererkennungswert und wird sowohl im Radio („We all want love“) als auch in den Clubs („Where have you been“) mit Brief und Siegel bestens funktionieren. Und in der Tat gibt es in der aktuellen Popmusik schlimmere Verbrechen als ein Rihanna-Album, das lediglich ein paar Hitsingles mit Wurmfortsatz bündelt, die mit geringer Halbwertszeit genauso lange über die Runden reichen, bis der nächste Longplayer nach dem gleichen Prinzip auf der Matte steht.

Anspieltipps:

  • Farewell
  • Roc me out
  • We found love
  • Cockiness (love it)
  • We all want love

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