Sixxxten - Automat Superieur - Cover
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Sixxxten Automat Superieur


  • Label: Redfield Records
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Fehlgeleitete Anglizismen, Hardrock, Metal, Punk, Glam, New Wave, Neue deutsche Welle, Electro House, Garagenrock, Retro-Gebärden und von „political correctness” keine Spur - Das war „Jugend Violencia“ (05/2009). Ein Album, das der Schrecken der rollkragenpullitragenden Konventionalbands und -Sänger war, obwohl es sich eigentlich um nichts und niemanden außer der Vermittlung einer kryptisch bis äußerst direkten Message scherte. Auf dem Nachfolger schwebt nun ein Pegasus gemeinsam mit an Luftballons gehängten bzw. erhängten Menschen über einem Wald und unterstreicht damit den überzogenen Charme der Hamburger. Was das sonst noch zu bedeuten hat? Egal, hauptsache es rockt!

„Automat Supérieur“ hat sein fettes Klangbild nämlich abspecken lassen und rotzt nun hauptsächlich als deftiger Stromgitarrenverteiler mit Hang zum Punk durch das Wohnzimmer. Das ist aber bei weitem noch nicht alles und es gibt sehr wohl „Klaviere, Synthies, Elektroschrott, Schlagwerk und jede Menge verstimmte Momente“, doch wie Hanno Klänhardt (Gesang, Gitarre), Nils Meißner (Gitarre), Stefan Nietzky (Bass) und Timo Höcke (Schlagzeug) selbst richtig verlautbaren, „das Album sucht zu keinem Moment nach der perfekten Hookline, weder für die Disco, noch für die Straße“ und versucht somit erst gar nicht in die Fußstapfen von Deichkind oder Die Ärzte zu treten, denn dafür ist Sixxxten ihre mitunter recht wirre, wenn auch keineswegs sinnfreie Erzählstruktur viel zu wichtig.

Im Titeltrack wird z.B. neben Effektgeschwurbel und Vocoderstimme der dekadente Lebensstil unserer Gesellschaft an den Pranger gestellt, „Gedicht für Egoisten“ behandelt stereotype Ansichten, mit „Wodka Hypnotika“ („Was uns heute noch hart macht, bringt und morgen noch um“) oder „Geist“ („Und falls du dir vertraust, trenn´ dich davon“) werden Schlachtrufe für frustierte Generationen bereit gestellt und „Der goldene Roboter“ stapft im Stakkatotakt aus den Boxen mit einem ohne Unterlaß brabbelndem Hanno, der in „Der 3. Raum“ oder „Bilder von Bergen“ die Rampensau zu nachdenklich-sarkastischer Lyrik gibt.

Sixxxten zeigen mit „Automat Supérieur“, dass sie nicht unbedingt das Wort „Scheiße“ in den Mund nehmen („New kids on the rox“) oder auf mehr oder weniger spaßigen Umgang mit der englischen Sprache zurückgreifen müssen um auf offene Ohren zu stoßen. Die Reduzierung auf Rock und Punk, sowie auf eine sehr zurückgefahrene, aber noch immer recht breite Effektpalette ermöglicht dem Hörer sich stärker auf die Texte einzulassen, die trotz schwankender Qualität vor allem der heutigen Gesellschaft einen bitteren Spiegel vorhalten. Nicht unbedingt neu, aber durchaus effektiv präsentiert!

Anspieltipps:

  • Geist
  • Der 3. Raum
  • Bilder von Bergen
  • Gedicht für Egoisten

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