Son Of The Velvet Rat - Red Chamber Music - Cover
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Son Of The Velvet Rat Red Chamber Music


  • Label: Monkey/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ken Coomer (Wilco, Uncle Tupelo) hat tiefe Spuren hinterlassen. Als Produzent von „Loss And Love“ (06/2007) und „Animals“ (09/2009) hat der Amerikaner die Musik von Georg Altziebler alias Son Of The Velvet Rat zaghaft in eine neue Richtung bewegt. Die zerbrechlichen Songs und Texte des Grazers sind nun weltoffener und lassen das lockere Kollektiv mehr wie eine Band wirken anstatt sämtliche Kompositionen der Alleinherrschaft eines Singer/Songwriters unterzuordnen. Einiges vom Charme der spartanischen Anfangstage ging damit zwar verloren, der Americana bestimmte Sound der Samtratte ließ sich damit aber noch weniger in Österreich verorten und sorgte umso stärker für ungläubiges Staunen hinsichtlich seiner Herkunft.

Für den Nachfolger zog sich Altziebler überhaupt in den Keller eines Altbauhauses in seiner Heimatstadt zurück, strich diesen rot und verfeinerte die bereits im Kopf gesammelten Ideen, die nun unter „Red Chamber Music“ vorliegen. Zehn Stücke kamen dabei heraus, die getrieben von der brüchigen Stimme des Österreichers so ganz und gar nicht nach stillem Kämmerlein klingen, obwohl die akustisch gehaltenen Kompositionen niemals an den aufbegehrenden Rockgestus der „Gravity“-EP (09/2008) heranreichen. Vielmehr sind es knisternde Balladen, die sich beim bisherigen Schaffen von Son Of The Velvet Rat bedienen und somit aus dem Vollen schöpfen.

„Prayers (You´re not bold enough to say)“ ist erneut der charismatischen Blaupause aus Mundharmonika, Slide-Gitarre, Akkordeon, Schmerz und Whiskey entsprungen, während „The vampire song“ mit Mariachi-Bläsern und Lalalala-Passage beinahe zu fröhlich für einen Son Of The Velvet Rat-Output scheint und „Lovesong #9“ und „Feed your dream“ als Gospel eine melancholische Predigt halten. Die unter die Haut gehenden Höhepunkte sind allerdings das Duett „Little flower“ mit Richard McGraw, die Zusammenarbeit mit Country-Sängerin Lucinda Williams in „Moment of fame“, das amerikanischer als Bruce Springsteens „Born in the U.S.A.“ seine dunklen Schwingen ausbreitet und das von einer klagenden Geige durchsetzte „7 stars“.

Leider meint es Altziebler in weiterer Folge mit klappernden Ketten und verzerrter Stimme in „For free“ ein wenig zu gut mit dem Konzept der Reduktion und auch „Silence is a crown“ setzt sich in seinen über sechs Minuten aufgrund der schleppenden Anlage kaum im Gedächtnis fest. „Red Chamber Music“ ist dennoch ohne Frage solide Handwerkskunst, doch wo „Loss & Love“ allzu glatt poliert aus den Lautsprechern perlte, ist es dieses Mal das stellenweise viel zu behäbige Momentum, das den neuesten Longplayer von Son Of The Velvet Rat zu einem lediglich soliden Werk mit vielen Spitzen, aber auch mehreren Mittelmäßigkeiten verkommen lässt.

Anspieltipps:

  • 7 Stars
  • Little Flower
  • Moment Of Fame

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