Angels And Airwaves - Love Album Parts One & Two - Cover
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Angels And Airwaves Love Album Parts One & Two


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 103 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Tom DeLonge (Gesang, Gitarre) macht es uns mit seinem mittlerweile wieder neben Blink 182 laufendem Projekt Angels & Airwaves alles andere als leicht. Das Debüt „We Don´t Need To Whisper“ (06/2006) ließ als Pendant zu einem esoterisch angehauchtem Hollywoodstreifen bereits sämtliche Punkrockfans schwer schlucken, die dem sphärisch-progressivem Treiben nicht so recht Glauben schenken konnten, doch spätestens ab „I-Empire“ (11/2007) war klar: DeLonge, David Kennedy (Gitarre, Ex-Box Car Racer), Matt Wachter (Bass, Synthesizer, Ex-30 Seconds To Mars) und Atom Willard (Schlagzeug, Perkussion, Ex-The Offspring) meinen es mit ihren schwelgerischen Rocknummern, die oft und gerne Gebrauch von flächigen U2-Gitarren Gebrauch machen, verdammt ernst!

Für das dritte, offiziell im Handel erhältliche Werk „Love Album Parts One & Two“, das, wie der Name schon impliziert, als Doppelalbum unter das Volk gebracht wird, hat der Vierer nicht nur den bereits seit Februar 2010 gratis erhältlichen Download „Love“ auf einen physischen Datenträger gepresst, sondern auch gleich die brandneue Platte „Love II“ angehängt. Damit ist es aber noch nicht getan, denn im Verbund mit diesen beiden Alben kommt ein gleichnamiger Film von Regisseur William Eubank, der in Kooperation mit der Band entstanden ist und im Kern die psychologischen Effekte und Auswirkungen von Isolation und Einsamkeit auf den Menschen anhand eines Astronauten bebildert. Musikalisch untermalt wird der eine halbe Million schwere Streifen natürlich von Angels & Airwaves, die ihre mächtigen Klangkulissen nur allzu gerne ins All schicken und nebenbei erwähnt noch als Produzenten auftreten.

Wem das schon zuviel ist, der sollte um die beiden „Love“-Alben einen weiten Bogen machen, denn das ganze Konzept wird durch die sonische Ebene nicht unbedingt erleichtert. „Love I“ konzentriert sich nämlich weitgehend auf wabernde Synthieschleifen, große, ausufernde Gesten und versöhnliche Stadionrockmomente a la Coldplay, die durch weitläufige Intros, Outros und Intermezzi einige Durststrecken zu verzeichnen haben, wegen ihrer unverschämten Eingängigkeit aber geradezu darum betteln am Stück gehört zu werden und langatmige Passagen („Shove“, „The moon-atomic (...fragments and fictions)“) schnell vergessen machen. Gerade die perfekt inszenierten Hooklines eines „Hallucinations“ oder endorphinversprühende Kompositionen wie „Epic holiday“ oder „The flight of Apollo“ sorgen für eine hohe Halbwertszeit, die dem Hörer unbemerkt ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die Grenze zwischen Langeweile und Spannung ist hier aber meist nicht zu erkennen und eine Grauzone ist praktisch nicht existent.

„Love II“ geht überhaupt noch einen Schritt weiter, lässt die sphärischen Elemente zugunsten einer rockigeren Ausrichtung großteils wegfallen und konzentriert sich auf eine zusammenhängende Geschichte, der ohne längere Auseinandersetzung nicht ganz einfach zu folgen ist, denn obwohl die Einleitung zu „Saturday love“ noch für jeden hochkarätigen Hollywoodstreifen verwendet werden könnte, ziehen Angels & Airwaves ab „Surrender“ andere Seiten auf und agieren wesentlich härter und formen aus den bereits bekannten Versatzstücken, leicht verstörenden („One last thing“) oder verschrobenen Space-Samples („Dry your eyes“), sowie bedrohlichen Gitarrenläufen und orientalischen Melodien („Inertia“) ein Album mit Hörspielcharakter (paradigmatisch hierfür sind besonders „Moon as my witness“ und „The revelator“). Das lässt „Love II“ songorientierter, ambitionierter und gewagter wirken, ist im Vergleich zum ersten Teil aber auch wesentlich unnahbarer und bockiger.

Nach fast zwei Stunden voller „Love“ muss man dann erst einmal pausieren und das Gehörte auf sich wirken lassen. Die nach eigenen Angaben angestrebte Schnittmenge aus U2, Radiohead und Pink Floyd erreichen Angels & Airwaves zwar nur in Nuancen, trotzdem kann man nicht leugnen, dass viele der 22 Stücke eine einzigartige Atmosphäre haben und eine emotionale Bindung zum Hörer aufbauen. Man könnte fast meinen, der Vierer hat mit diesem Doppelalbum das erreicht, was 30 Seconds To Mars mit ihrem letzten Output „This Is War“ (12/2009) bewerkstelligen wollten: Sie berühren das Herz und die Seele, allerdings ohne übermäßigen Kitsch einzustreuen. Alles scheint wohl dosiert und aus einem Guß. Viele mögen Angels & Airwaves weiterhin langweilig finden, für andere dürfte dieses Doppelpack jedoch an Perfektion nicht zu übertreffen sein.

Anspieltipps:

  • Epic Holiday
  • Hallucinations
  • One Last Thing
  • Behold A Pale Horse
  • The Flight Of Apollo

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