Taylor Swift - Speak Now World Tour Live - Cover
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Taylor Swift Speak Now World Tour Live


  • Label: Big Machine Records
  • Laufzeit: 219 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Speak Now World Tour“ ist ein Fanpaket, das man sich gerne unter den Weihnachtsbaum legen lässt.

Taylor Swift ist mit zarten 21 Jahren laut Forbes nach Lady Gaga die bestverdienenste Künstlerin 2011 und kann andere Schwergewichte wie Katy Perry, Rihanna oder Beyoncé mühelos auf die hinteren Ränge verweisen. Der Grund für diese hohe Platzierung beruht, wie heutzutage üblich, nicht auf Albumverkäufen (Swifts letztes Album „Speak Now“ (10/2010) erreichte immerhin 3x Platin in Amerika), sondern auf den Einnahmen aus Ticketverkäufen. In Taylors Fall handelt es sich dabei um ihre ausverkaufte „Speak Now World Tour“, die am 22. November 2011 ihr vorläufiges Ende nach 98 Shows in 17 Ländern auf 3 Kontinenten nahm und erst wieder im März nächsten Jahres mit einem Australien und Neuseeland-Block fortgesetzt wird.

Nach 1½ Millionen Besuchern in Europa, Amerika und Asien war es also nur eine Frage der Zeit, bis ein in Bild und Ton festgehaltenes Dokument all jenen zugänglich gemacht wird, die entweder keine Karten mehr ergattern konnten oder keine Show im näheren Umkreis des Wohnortes spendiert bekommen haben. Wahlweise als CD/DVD-Package oder Bluray-only-Version veröffentlicht, fällt die Qual der Wahl jedoch ausgesprochen leicht, handelt es sich bei der HD-Ausgabe lediglich um einen etwas besseren Bildtransfer bei gleichbleibender Soundqualität (Dolby Digital 5.1), was im digitalen Zeitalter einen Aufpreis von (durchschnittlich) satten 8 Euro und fehlender Audio-CD keinesfalls rechtfertigt. HD-Fetischisten dürfen also ohne Bauchschmerzen zum kostengünstigeren Paket greifen.

Inhaltlich ergänzen sich DVD und CD nämlich hervorragend, selbst wenn die Mankos des jeweiligen Formats mehrere Sorgenfalten auf die Stirn zaubern. So ist z.B. der 80-minütige Ton-Mitschnitt, der aus ausgewählten Highlights von diversen Shows der World Tour besteht, mitunter eine einzige Kreischorgie, bei der man ohne dazugehöriges Bild absolut nicht versteht, wieso mitten in einer Strophe die Fans zum Schreien beginnen. Unter ähnlichen Problemen litt schon Bryan Adams Akustikaufguss „Bare Bones“ (10/2010), bei Miss Swift ist aber wenigstens das Drumherum mit spannendem Inhalt gefüllt und lenkt wie z.B. mit dem tollen Medley aus „Back to December“, „You´re not sorry“ und One Republics „Apologize“ oder den Coverversionen von „Drops of Jupiter“ (Train), „Bette Davis eyes“ (Kim Carnes) und „I want you back“ (Jackson 5) oftmals vom ohrenbetäubenden Fangeschrei ab.

Legt man allerdings die DVD ein, bemerkt man, abgesehen von einer opulenten Bühnen- und Lichtshow, die neben einer Stepptanzeinlage („Our song“), Ballettänzern („Enchanted“) und Feuerwerk („Dear John“) noch unzählige Settings wie eine Kirche („Speak now“) oder einen verwunschenen Wald („Haunted“) beinhaltet, dass Taylor ihren Niedlichkeitsfaktor vor allem zu Beginn überstrapaziert. Ansagen wirken einstudiert und hölzern, das Bad in der Menge auf die Minute getimed und die Choreographie selten authentisch. Nach acht Nummern folgt dann aber doch noch der Wandel und Miss Swift stolziert von der Bühne, mitten in die Fans hinein, lässt sich anfassen, umarmt Einzelne aus dem kreischenden Publikum und erlangt ihre menschlischen Züge zurück, die sogleich mit einem sympathischen Set aus akustischen („Fearless / I´m yours / Hey, soul sister“, „Drops of Jupiter“) und normal gespielten Songs unter einem Baum inmitten der tobenden Menge gefestigt werden. In einem kleinen Club wäre die Atmosphäre zwar sicherlich ungleich höher gewesen, aber man kann eben nicht alles haben.

Bis es dann zum großen Finale kommt, wo Miss Swift während „Love story“ in einem Balkon über ihre Fans hinweg schweben darf, hat man sich jedenfalls mit dem sündteuren, wenn auch zuckersüßen Disneylandbühnensetting abgefunden und nimmt es der 21jährigen nicht krumm, dass die optischen Reize auf eine Teenager-Zielgruppe ausgerichtet sind, die in den einzelnen Choreographien zu Taylors Songs ein ums andere Mal dauergrinsende „Mädchen trifft Junge“-Geschichten zu Gesicht bekommen. Nun, die werte Dame bezeichnet sich immerhin als hoffnungslose Romantikerin, also bitte. Als Draufgabe gibt es dann ein kurzes Backstagevideo über die Proben zur Tour, das gerne etwas länger und ausführlicher hätte sein können, sowie eine fünf Minuten lange Collage aus Homevideos aus dem privaten Fundus von Papa und Mama Swift. Gemeinsam mit der soliden CD und dem quietschbunten Konzertmitschnitt in Bild und Ton ist „Speak Now World Tour“ ein Fanpaket, das man sich gerne unter den Weihnachtsbaum legen lässt.

Anspieltipps:

  • Mean
  • Long Live
  • Enchanted
  • I Want You Back
  • Better Than Revenge
  • Back To December / Apologize / You´re Not Sorry

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