Korn - Path Of Totality - Cover
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Korn Path Of Totality


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 38 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Sinnhaftigkeit von „The Path Of Totality“ lässt sich auf den Wunsch nach neuen Zielgruppen und in weiterer Folge einem höheren Absatzmarkt reduzieren.

Wer in den Charts keine Ärsche tritt, der wird eben in selbigen getreten. Nachdem es nun Limp Bizkit getroffen hat und die Nu Metal-Truppe nach dem allzu rückwärtsgewandtem, wenn auch in feuriger Nostalgie badendem „Gold Cobra“ (06/2011) Interscope verlassen musste, könnten Korn ohne plötzlichen Verkaufsschub ebenfalls bald wieder ohne Vertrag dastehen, schließlich wanderten von „Korn III: Remember Who You Are“ (07/2010) nicht einmal 200.000 Exemplare in Amerika über die Ladentische. Im Gegensatz zu den Kollegen aus Florida, die ihre Fans lieber mit einem aufgewärmten Cheeseburger abspeisten anstatt ein überladenes All You Can Eat-Buffet oder ein exotisches 5-Sterne-Menü aufzutischen, schöpfen Jonathan Davis (Gesang), James Shaffer (Gitarre), Reginald Arvizu (Bass) und Ray Luzier (Schlagzeug, Perkussion) aus dem Vollen und heuern die versammelte Produzentenriege des Dubstep (eine Mischung aus Drum and Bass, 2-Step und Dub) an um einen wilden Bastard aus knarzenden Beats und krachendem Nu Metal zu entwerfen.

Was sich (mit einem gewissen Maß an Aufgeschlossenheit) auf dem Papier ganz spannend liest und angesichts des fulminanten Vorgeschmacks namens „Get up!“, der die ohrenbetäubende Vehemenz und Durchschlagskraft beider Welten zu einem stimmigen Ganzen vereinte, für gespitzte Ohren sorgte, lässt sich nach dem Genuß von „The Path Of Totality“ maximal mit dem Sprichwort „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“ zusammenfassen. Davis & Co. vertrauen nämlich in den kompletten 38 Minuten allzu leichtfertig auf die Wucht der zappelnden Basslinien und dreckigen Samples, welche ihnen die Herrschaften Skrillex, Noisia, Excision, Kill The Noise, Downlink, Feed Me und 12th Planet zur Verfügung gestellt haben und steuern abgesehen von ein paar Schlachtrufen und altbekannten Hackschnitzelriffs lediglich eine große Portion Einfallslosigkeit bei.

Die Songstrukturen gliedern sich dabei größtenteils in: Wild um sich schlagender, elektronischer Einstieg, zurückhaltende Strophe, nach Aufmerksamkeit schreiender Refrain, zurückhaltende, zweite Strophe, länger ausharrender, nach Aufmerksamkeit schreiender Refrain mit anschließender Zerstückelung und nochmaligem Refrain. Nach zwei Durchgängen hat man demzufolge schon alles gehört und könnte sich an die versteckten Details und Feinheiten machen, doch selbst auf dieser Ebene versagt „The Path Of Totality“ kläglich. Bei einem derartigen Dubstep-Frontalangriff war dies aber auch nicht anders zu erwarten und so bleibt nur noch eine Option: Lautstärkeregler ganz nach rechts. Auf diese Art und Weise bricht der zehnte Korn-Longplayer zwar mit einer Urgewalt aus den Boxen, dass man gar nicht mehr weiß, ob man Männlein oder Weiblein ist, diesen Effekt kann man aber auch mit angestaubten Fatboy Slim- und Bomfunk MC-Platten hervor rufen oder gleich zu Eigenkompositionen von Skrillex und Konsorten greifen.

Die Sinnhaftigkeit von „The Path Of Totality“ lässt sich daher schlichtweg auf den Wunsch nach neuen Zielgruppen und in weiterer Folge einem höheren Absatzmarkt reduzieren, denn wer Dubstep sagt, muss ab sofort auch Korn sagen, oder? Den Zeitgeist mögen die vier Herren aus Kalifornien damit eingefangen und die Gunst der Stunde genutzt haben, ein ansprechendes Album ist Davis und Konsorten jedoch bei weitem nicht geglückt.

Anspieltipps:

  • Get Up!
  • My Wall
  • Narcissistic Cannibal

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