Black Country Communion - Live Over Europe - Cover
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Black Country Communion Live Over Europe


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 110 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Black Country Communion geizen nicht mit Veröffentlichungen, innerhalb von zwei Jahren zwei Alben und nun eine Konzert-DVD/Blu-ray.

Ist schon komisch die vier Musiker auf einem Promobild (zum Beispiel im Booklet zur DVD) zu sehen, nicht weil es eine dieser angeblichen Supergroups ist, sondern ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten, die auf den ersten Blick auffallen. Zwei Lager: die eher introvertierten, schlicht und elegant gekleideten Joe Bonamassa und Derek Sherinian flankieren die beiden schrägen Vögel, die extrovertierten und entsprechend in der Mitte platzierten Glenn Hughes und Jason Bonham. Das wunderbare daran ist, dass sie auf der Bühne eine Einheit sind, Brüder im musikalischen Geiste, keine Unterschiede mehr erkennbar. „Live Over Europe“ ist ein Zeugnis davon.

Die zwei Europäer und zwei Amerikaner machten sich Mitte des Jahres auf die erste Europatournee mit ihrem zweiten Album „2“ im Gepäck. „Live Over Europe“ ist aber keine gewöhnliche Konzertaufnahme, die an einem Abend gefilmt wurde, vielmehr ein aus Einzelteilen zusammengesetztes Konzert. Zunächst sieht alles wie eine Art Konzerttourverlauf aus, bei dem der Tourtross von Stadt zu Stadt zieht und von jeder Show einige Songs gezeigt werden. Zwischen den Konzertschnipseln sind kurze Aussagen der Musiker, einige Bilder aus den Städten oder dem Tourbus als Übergang eingeflochten. So geht es zunächst chronologisch von München über Berlin nach Hamburg, dann ist aber auch schon Schluss mit dem Reisen und die Konzertaufnahmen springen nur noch zwischen Berlin und Hamburg hin und her. Das macht nicht nur das Konzertfeeling kaputt, es ist inkonsequent und mit dem Titel der DVD schlicht irreführend, denn die hätte auch „Live Over Germany“ heißen können. Im Endeffekt wäre es besser gewesen eine Show zu zeigen oder zumindest zwei Teilabschnitte, einen aus Hamburg und einen aus Berlin ohne diesen Flickenteppich, weil dieser eh auf der zweiten DVD als „Making Of“ zu sehen ist.

Der Schnitt ist auffällig anders als bei vielen Konzerten auf DVD, eher wie in richtigen Filmen mit mehr Bewegungen der Kameras, ausgesuchten Blickwinkeln und einigen Unschärfe-Effekten. Das fällt bereits beim Intro auf, wo die Namen der Musiker mit dem zugehörigen Instrument gezeigt werden, aber erst einige Augenblicke später in einigen kurzen Schnitten die zugehörigen Personen erscheinen. Nach einigen weiteren zusammengeschnipselten Szenen ist der Zuschauer plötzlich mittendrin im Konzertgeschehen, kein Einlaufen auf die Bühne, keine Begrüßung. Einige Blickwinkel sind sehr einprägsam wie eine Seitenaufnahme von der Bühne bei der Glenn im Vordergrund zu sehen ist und unscharf im Hintergrund sich Joe an der Gitarre auslässt. Der arme Derek wird hier völlig vernachlässigt und kaum gezeigt, aber bei seinem immerzu ernsten Blick bot er den Kameraleuten vielleicht nicht genügend Stoff zum Drehen. Auch der Abspann wurde sehr cool umgesetzt mit Zeitlupensequenzen der Protagonisten und einem weiteren Song, der in seiner Gänze durchläuft.

Der Stereoklang ist sehr präzise, fast könnte es in Vergessenheit geraten, dass es sich um eine Konzertaufnahme handelt, wäre nicht die Spielfreude der Herren, die besonders in „The Ballad Of John Henry“ (einem Stück von Bonamassa) und „Sista Jane“ (mit kleinem The Who-Gedenkpart zum Schluss) zum Vorschein tritt. Auch der Deep Purple Klassiker „Burn“ zum Abschluss dürfte viele Altrocker ziemlich freuen. Bestimmt wurde einiges nachbearbeitet, denn bei drei verschiedenen Bühnen ist es wenig wahrscheinlich, dass der Klang so homogen gewesen ist. Das Schlagzeugspiel von Bonham ist sehr schön über beide Frontlautsprecher verteilt (siehe beide Mikrofone über dem Schlagzeug). Der 5.1-Klang hingegen ist ziemlich mau, eine schnöde Erweiterung des Stereoklangs um etwas Hintergrund, da kann Herr Shirley sicherlich noch dazulernen. Nervig ist die Bildgröße von 21:9, da rüsten die cinephilen Menschen auf mit neuen Flachbildfernsehern im 16:9-Format und was macht die Filmbranche, setzt noch breitere Bilder ein. Entweder versucht uns jemand zu verarschen oder wieder neue Fernseher zu verkaufen.

Black Country Communion geizen nicht mit Veröffentlichungen, innerhalb von zwei Jahren zwei Alben und nun eine Konzert-DVD/Blu-ray. Wird hier die Gunst der aufsteigenden Aufmerksamkeit der Supertruppe genutzt oder die momentane Verfügbarkeit der einzelnen Akteure, die alle ihr eigenes vollgestopftes Musikerdasein leben. Im Endeffekt ist das unwichtig, denn die musikalische Qualität dieser Classic Rock Band stimmt an allen Enden. Wären da nicht die angesprochenen Kritikpunkte, würde die DVD noch besser ausfallen, aber auch so macht es Spaß die Musiker auf der Bühne zu sehen.

Anspieltipps:

  • The Ballad Of John Henry
  • Sista Jane
  • Crossfire
  • Burn

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