Diverse - Muppets: The Green Album - Cover
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Diverse Muppets: The Green Album


  • Label: Walt Disney/EMI
  • Laufzeit: 37 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn die Generalprobe schief läuft, dann – so sagt man – wird der eigentliche Auftritt um so besser. Falls wir „Muppets: The Green Album“ als Vorboten des anstehenden Muppet-Films sehen, dann können sich Groß und Klein auf ganz starkes Hollywood-Kino aus dem Hause Disney freuen. Die Idee lauter Gastsänger beliebte Muppet-Songs singen zu lassen geht ohne Effektfeuerwerk und irgendwelche Strampeleien unter. Fast so, als wüsste man von vornherein, dass es sich nur um einen Flop handeln kann. Die Verkaufszahlen werden bei der richtigen Promotion stimmen, doch Kritiker stehen jetzt in der Pflicht, den Hörer darauf aufmerksam zu machen, wofür er da sein Geld ausgeben möchte.

Natürlich beginnt das Album mit dem beliebten und legendären Thema der Muppet Show. Kann man da etwas falsch machen? Ok Go trauen sich etwas und lassen die flippige Titelmelodie als schleppenden Psychedelic-Rock-Song laufen. Eltern können sich ein Bild davon machen, wie das Opening auf Dopamin klingen dürfte, während Kinder eher an Messer wetzende Clowns statt ihre Puppenlieblinge denken werden. Und mit diesem Lied darf sich der Opening-Act noch zu den Stärken dieses Cover-Best-Ofs sehen. Der Charme sämtlicher Originale wird in Rock und Pop derart verschandelt, dass es zum Augen ausheulen ist. „The Rainbow Connection“, „I Hope That Something Better Comes Along“ und die ehemalige Hitsingle „Halfway Down The Stairs“ sind traurige Beweise dafür, wie der Zauber der alten Muppet-Songs einfach so verschwindet. Das ist auch Zauberei, allerdings bei weitem keine gewünschte.

Woran mag es liegen, dass Stars wie Amy Lee oder Alkaline Trio reihenweise scheitern und ausgerechnet den Popausflügen „Bein' Green“ von Andrew Bird oder My Morning Jacket mit „Our World“ die positiven (aber im Vergleich zum Original nicht wirklich berührenden) Höhepunkte setzen? Die Antwort ist so naheliegend, dass man gar nicht mehr daran denken mag: die Interpreten sind nicht die Muppets. Was ein Gonzo herzallerliebst darbietet, hört sich vom skandinavischen Singer/Songwriter Sondre Lerche unbeholfen und unfreiwillig komisch an.

Die Muppets sind gerade in den USA, aber auch hierzulande ein Kulturgut. Bis auf Welt entfremdete Deutschlehrer ist dem Rezensenten selbst auch noch niemand untergekommen, der Kermit den Frosch und Miss Piggy nicht kannte. Der Mythos um die charmanten Charaktere wird mit jedem weiteren Lied geradezu eingeäschert, dass einem Angst und Bange werden muss. Die einfache Beobachtung, dass so ziemlich keines der Muppet-Lieder ein meisterwerk ist, sondern vom Zauber der Darbieter lebt, scheint den Machern dieser CD allerdings entgangen zu sein. Eine Cover-Version ist in Ordnung, aber ein ganzes (wenn auch kurzes) Album, dass die Vergangenheit so vieler Menschen völlig fehlinterpretiert, ist dann doch ein Griff in die nächst gelegene Sanitär-Anlage.

Anspieltipps:

  • The Muppet Show Theme – Ok Go
  • Bein' Green – Andrew Bird
  • Wishing Song – The Airborne Toxic Event

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