Lana Del Rey - Born To Die - Cover
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Lana Del Rey Born To Die


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

So nüchtern wurde schon lange kein Hochglanzprodukt mehr aufgetischt. Mal schauen, ob diese Marschroute tatsächlich durchgehalten werden kann.

Tatsächlich das erste Highlight oder nur der erste große Hype des Jahres, der eigentlich keiner sein will? Man wird sehen. Fakt ist, dass Lana Del Rey (25) mit sehr viel Anlauf in das neue Pop-Jahr geschickt wurde. Ihr Song „Video games“ geistert nämlich schon seit dem Spätsommer des vergangenen Jahres durch die üblichen Verbreitungswege und entwickelte sich sukzessive zu einem Top-Hit in Europa. In den USA ist die junge New Yorkerin dagegen (zumindest kommerziell) noch nicht wesentlich in Erscheinung getreten. Sie veröffentlichte zwar bereits Anfang 2010 ein digitales Album namens „Lana Del Rey A.K.A. Lizzy Grant“, das aber wieder zurückgezogen wurde. Die Single „Video games“ riss in den Billboard Charts bis dato keine Bäume aus und auch sonst sind die Reaktionen auf die kühle Femme Fatale eher zögerlich. Somit ist „Born To Die“ Lana Del Reys offizieller Debüt-Longplayer und der erste Gradmesser für das, was Popmusik anno 2012 ausmacht.

Grundsätzlich war nicht davon auszugehen, dass Lana Del Rey die Popmusik wie eine Lady Gaga revolutionieren würde. Dies bestätigt „Born To die“, um es gleich vorweg zu nehmen. Und doch verbreiten die Klänge der 25-Jährigen eine durchaus ungewöhnliche Aura. Die Songs verzichten auf allzu großes Tempo, sind eher melancholisch und düster als mitreißend und mit einer vordergründigen Eingängigkeit ausgestattet. Dass sie dennoch hängenbleiben, verdanken sie ihren geschickten Melodien („Dark paradise“) und kleinen Details wie den Harfenklängen in „Video games“, den auffälligen Streichern in Verbindung mit TripHop-Beats im Titeltrack oder der Verschmelzung von engelsgleichem Gesang mit einem im wahrsten Sinne des Wortes zuckersüßen Refrain („Lick me up and take me like a vitamin / ‘cause my body’s sweet like sugar venom / Oh yeah, baby love me ‘cause I’m playing on the radio / No my life is sweet like cinnanom like a fuckin‘ dream I’m livin‘ in“ aus „Radio“).

Darüber schwebt die gerne als etwas kühl empfundene, aber mit viel Soul ausgestattete Stimme Lana Del Reys, von der der Hörer noch nicht weiß, ob sie in ihren Songs eine Rolle spielt oder Authentizität vorlebt. Auf jeden Fall ist Del Rey um eine geheimnisvolle Grundstimmung bemüht, die durch verstärkten Orchestereinsatz („National anthem“), eine sehr dichte Breitwandproduktion sowie Dubstep-, Electro- und HipHop-Elemente untermauert wird („Diet mountain dew“). Damit bestätigt Lana Del Rey die durchaus hohen Erwartungen mit einem spannenden Album, das zwar nichts neu erfindet, aber trotzdem oder gerade deshalb weit über dem Durchschnitt liegt.

Dass Lana Del Rey ihre Musik und nicht ihre Person in den Vordergrund stellt, zeigen nicht nur bisherige Medienberichte, sondern auch das Booklet von „Born To Die“, das ohne ein einziges Bild von der Dame auskommt. So nüchtern wurde schon lange kein Hochglanzprodukt mehr aufgetischt. Mal schauen, ob diese Marschroute tatsächlich durchgehalten werden kann.

Anspieltipps:

  • Radio
  • Lucky ones
  • Born to die
  • Video games
  • National anthem
  • Summertime sadness

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