David Lynch - Crazy Clown Time - Cover
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David Lynch Crazy Clown Time


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 71 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

David Lynch, der seit den Siebzigern überaus prägende Regisseur, Produzent und Drehbuchautor, lag schon immer viel Wert auf die musikalische Untermalung seiner verstörend surrealen Werke, wovon „Eraserhead“, „Twin Peaks“, „Lost Highway“ und „Mulholland Drive“ die bekanntesten sein dürften. Zusammen mit Angelo Badalamenti schuf er zahlreiche Filmscores, ehe das Projekt Danger Mouse & Sparklehorse den amerikanischen Regisseur im Indie-Pop ankommen ließ. So überrascht es nur wenig, wenn der Mittsechziger in Form von „Crazy Clown Time“ derzeit sein Solodebüt vorstellt.

In David Lynchs eigenem Studio entstand mithilfe von Dean Hurley, der auch Gitarre und Schlagzeug beisteuert, ein Album, das dunklen Electro-Pop mit Blues und apokalyptischen Klanggebilden verknüpft, dabei direkt die bildgewaltige Atmosphäre der Filme auf den Tonträger übertragen möchte, doch nur in Teilen überzeugt. So ist der Auftakt nicht zuletzt dank Karen O von den Yeah Yeah Yeahs, die die Vocals im starken, mit unterschwelligem Groove und vereinnahmender Steel-Gitarre faszinierendem „Pinky's Dream“ übernimmt und der ersten Single „Good Day Today“ ein packender Beweis, wie die sonderbare Welt von David Lynch auch losgelöst von tragenden Bildern funktioniert. Beim letztgenannten Song steht der federnde Groove im Vordergrund, vermeintlich freudestrahlend der Vocoder-Gesang vom Meister persönlich, jedoch aufgewertet von verstörenden Sounds, die so plötzlich wie effektiv über den Hörer hereinbrechen. Eben diese Spannung der bipolaren Elementen weicht auf „Crazy Clown Time“ zu oft beständigem TripHop mit erzählerischer Note und Blues-Einschüben.

In der grundlegend gleichbleibend dunkel schleppenden Ausrichtung finden sich verschiedene Vocoder-Effekte, die Lynchs ausufernde Erzählungen formen, dabei jedoch vor allem mit der erzählerischen Note selbst punkten. Der Mittelteil stärkt die Sinne, wenn „Strange And Unproductive Thinking” sowie „The Night Bell With Lightning” karg und trotzdem immer wieder magisch mit der windschiefen Steel-Gitarre untermauert den Suchtfaktor erhöhen. Das kann man auch vom herrlich schrägen Titeltrack sagen, der den Clown nervenaufreibend neben Stöhnen und Ächzen in Stellung bringt. Gleichermaßen schmunzelnd und gruselnd gleitet der Hörer schließlich in eine Schlussphase, die sich quasi in einem Atemzug vor Bob Dylan und Moby verbeugt. Debütierend zeigt sich David Lynch ausbaufähig zwischen manch Länge zu jeder Zeit ästhetisch solide und zum Teil einzigartig brillierend.

Anspieltipps:

  • Pinky's Dream
  • Good Day Today
  • Strange And Unproductive Thinking
  • These Are My Friends

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