Max Prosa - Die Phantasie Wird Siegen - Cover
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Max Prosa Die Phantasie Wird Siegen


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die starken Momente, in denen sich Max Prosa tatsächlich zum Singen zwingt, überwiegen leider nicht.

Man muss Rosenstolz nicht mögen, aber ihre Texte sind einsame Spitze. Selbst diese Texte muss man nicht mögen, ihnen ihre Sogkraft jedoch zugestehen. Schaut man sich in der modernen Musiklandschaft um, gibt es nur wenige Bands, die so präzise mit Worten um sich werfen, wie das Duo. Wenn Rosenstolz jemand gefährlich werden kann, dann sollte es – sieht man sich die Fanbase an – Clueso sein. Für genau diesen spielt Max Prosa den Support. Prosa will seinem Künstlernamen gerecht werden und ebenfalls mit nachdenklichen Texten überzeugen. Hoffentlich mit mehr Erfolg als Clueso, der auf dem letzten Album mit dem Mittelfeld der Qualität gekuschelt hat.

Ehrlich währt am längsten und deswegen wollen wir gar nicht drum herum reden. Max Prosa kann nicht wirklich singen. Sobald er die lauten Töne in einem kräftigen Chorus anschlägt (z.B. „Mein Kind“ oder „Tasunoro“), hört man der Reibeisenstimme gern zu, aber in den Strophen rattert und knarzt die Stimme des 21-Jährigen nahezu unerträglich in den Ohren. Udo Lindenberg hat sicher eine Generation geprägt, aber die verschlafen-kratzige Stimme Max Prosas ist weitgehend einfach nur nervtötend. Das beginnt gleich mit „Abgründe Der Stadt“, das sich in dem „ehrlichen“ Gesang suhlt, der viel mehr an eine Kehlkopfentzündung erinnert. Tokio Hotel haben wegen so etwas schon Auftritte abgesagt.

Bevor es ausfallend wird, besinnen wir uns aber auf das Album, das besonders auf instrumentaler Ebene einen warmen, angenehmen Kern aufweist. Hier und da gibt es richtige Pop-Explosionen, wie im richtig starken „Mein Kind“ oder auch „Ikonen“. Leider schafft es der Sänger selbst nicht, mit den Arrangements mitzuhalten. Sicher mag Max Prosa auf der Bühne ein charismatischer Typ sein und das raue in seiner Stimme steigert die Authentizität, doch auf Platte ist er nichts weiter als ein Störfaktor. Die Texte sind dabei wie sehr gute Gedichte eines jungen Menschen, aber bei weitem keine Offenbarungen, die den Gesang armen Ansatz rechtfertigen.

Die starken Momente, in denen sich Max Prosa tatsächlich zum Singen zwingt, überwiegen leider nicht und so muss man gegen erfrischende Pop-Rocker der Sorte „Flügel“ ein „Straße Nach Peru“ hinnehmen. So hält sich das Album die Waage, wobei auf instrumentalem Level ein erstklassiges Album abgeliefert wird. Alle Freunde interessanter, ruhiger Pop-Lieder finden hier ein Füllhorn an guter Musik. Wer dann noch einen heiseren Clueso dazu in Kauf nimmt, findet sich sogar im Himmel wieder. Verständlich aber auch, wem das Gekrächze so gar nicht zusagen möchte.

Anspieltipps:

  • Totgesagte Welt
  • Mein Kind
  • Flügel

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