Massendefekt - Tangodiesel - Cover
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Massendefekt Tangodiesel


  • Label: MD Records/Broken Silence
  • Laufzeit: 152 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Besetzungswechsel ist für Rockbands fast immer eine mehr oder weniger große Bewährungsprobe, doch wenn der Sänger die Truppe verlässt, dann wird es schnell existenziell. So geschehen bei der Meerbuscher Punkkapelle Massendefekt. Im Jahr 2001 gegründet, verließ der Sänger Ole Ende 2009 die Band. Die Band hat sich jedoch zusammengerauft und es geschafft weiterzumachen. Der vakante Sängerposten konnte dabei aus den eigenen Reihen besetzt werden und wird nun von Gitarrist Sebi mit abgedeckt. Tangodiesel ist das erste auf Silberling gepresste Lebenszeichen der Band in dieser Konstellation. Neben einem vollwertigen, dreizehn Nummern umfassenden neuem Album gibt es darüber hinaus elf alte Stücke, die neu eingespielt worden sind. Eine nette Geste, um auch alte Fans bei der veränderten Bandaufstellung mitzunehmen. In diesem Mini-Best-Of finden sich auch bekannte Songs wie „Wo Rosen regnen“ oder „Den nächsten Krieg gewinnt der Tod“.

Die gute Nachricht ist, dass mit Sebi am Mikrofon das Überleben gesichert ist und die Band sich damit nicht verstecken muss. Zwar ist er sicher kein begnadeter Meister der Sangesübungen, doch da gibt es im nationalen wie internationalen Punkkosmos ganz andere Protagonisten, die mit weitaus zweifelhafteren Leistungen ihre Konten reichhaltig füllen konnten. Außerdem lebte der Punk ja schon immer von Energie und Authentizität und nicht von Virtuosität. Die Rezeptur der Songs ist bekannt und bleibt im Kern unverändert. Warum auch nicht?! Eingängige Melodien, punktypisches Rumpelschlagzeug und Powerchords mit wiederholtem Plündern im Metalbereich. Und dennoch: So richtig überspringen will der Funke einfach nicht. Das mag hier und da an etwas zu vorhersehbaren Texten, oder auch Melodien liegen. Bei einer Band wie Die Toten Hosen, würden Songs wie „Überlebt“, „Der Hoffnung entgegen“ oder dem unvermeidlichen Ska-Intermezzo „Der Jogger der Liebe“ vermutlich vom gemeinen deutschsprachigen Punkjünger im Wohnzimmer wie bei Rock am Ring abgefeiert. Hier bleibt es wohl beim Geheimtipp. Warum das so ist, kann man nur schwer klären. Musik ist eben über weite Strecken ein irrationales Feld.

Vielleicht ist Tangodiesel aber auch einfach nicht für das heimische Wohnzimmer geschaffen, sondern gehört in die Live-Clubs des Landes. Mit „Ooohs“ und „Aaahs“ gespickte Refrains, oder auch die unmissverständliche Tanzaufforderung „Wer sitzt fliegt raus“, deuten darauf hin, dass die Livetauglichkeit durchaus mit einkalkuliert wurde. Gut möglich, dass Tangodiesel live ja vielleicht doch noch zündet.

Anspieltipps:

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