La Dispute - Wildlife - Cover
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La Dispute Wildlife


  • Label: No Sleep/CARGO
  • Laufzeit: 58 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Limp Bizkit sind tot, es lebe Limp Bizkit. In diesem Fall eher La Dispute, die mit jammernd anklagenden Gesang ein entferntes Erbe der Kult-Band antreten könnten. Auch wenn solche Wortspielereien von ganz unten kommen, kommt man ums Lamentieren und den Disput um die Musik der Gruppe tatsächlich nicht herum, denn was Sänger Jordan Dreyer mit seinen Mannen da abzieht ist ein Spoken-Word-Ausflug in die längst vergangenen Rock-Klänge des vorletzten Jahrzehnts und einem Hauch At The Drive-In, die mit der Jahrtausendwende eigentlich das Ende des brillanten Post-Hardcore setzten. Keine leichte Kost also.

Moment! Die Energie von At The Drive-In und Spoken Words? Ist das nicht ein wenig viel? Nun, das Experiment ist seit Entstehung 2004 immer noch nicht ganz ausgereift. Fraglos hart und rau ist die Musik um die Texte Dreyers aufgebaut. Da jagen sich die Effekte aus den Verstärkern gegenseitig und ergeben ein großes Garage-Sound-Potpourri, das allerdings nie die Zugkraft von At The Drive-In entwickelt. Das Problem hierfür liegt auf der Hand und liegt beim Aufbau der gesanglichen Struktur. Wer seine Geschichten nur erzählt und nicht singt, tut sich schwer, seine Arrangements schnell und einprägsam zu gestalten, wenn die Botschaft des Textes im Vordergrund stehen soll.

Die besseren Ausflüge in die Klangvorstellung der Amerikaner ist „St. Paul Missionary Baptist Church Blues“, das eine Melodie vorweisen kann, die eher Skatern zuzuordnen ist, sich aber zumindest selbst und den Hörer so in Bewegung zu versetzen weiß, dass das Lied beim Wiedergeben im Kopf und in den Gliedern bleibt. Interessant ist auch der Ausflug ins Indie-Gefilde mit „Safer In the Forest/Love Song For Poor Michigan“ oder „The Most Beautiful Bitter Fruit“, die rhythmisch und melodisch in abgeschwächter Version auch der Bloc Party hätten entspringen können. Hier zeigt sich, dass sich die experimentelle Ader der Band nicht nur zu politisch angehauchtem Krach, sondern auch zu guter Musik formen lässt.

Leider leisten sich die Post-Rocker aber auch zu viele Ausreißer nach unten. Die wirklich gelungenen Reminiszenzen an eine Zeit, als noch die Instrumente allein Basis für die Musik und die Effekte zusammen waren erscheint wie eine Vision in den Augen, doch dagegen stehen anstrengende Geschichten, die als Einzelgänger gut dastehen würden, auf Dauer, aber anstrengen werden. Spätestens das tief tragische „A Broken Jar“ wird im Hirn des Hörers gar nicht mehr verarbeitet, da das halbe Dutzend an Wut-Poesie voll ist. Wenn La Dispute noch das richtige Maß für ihre Verzweiflung finden und den schnelleren Nummern die richtige Kürze beibringen ohne dass die Botschaften verloren gehen, dann reden wir vielleicht von einem echten Nachfolger für At The Drive-In. Bis dahin hört sich diese wütende Band an wie ein rohes Stück Fleisch schmeckt. Interessant und wild, aber schnell wird einem schlecht.

Anspieltipps:

  • St. Paul Missionary Baptist Church Blues
  • Safer In The Forest/Love Song For Poor Michigan
  • King Park

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