Bill Wells - Lemondale - Cover
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Bill Wells Lemondale


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 35 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
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Bill Wells nimmt seinen Jazz jetzt also in Japan auf. Der Traum einer „Soap-Opera“ habe ihn auf die Idee gebracht und so packte Wells seine Instrumente ein und nahm im Land der aufgehenden Sonne sein neues Album „Lemondale“ auf. Unter anderem ist der Jazz-Autodidakt auch dafür bekannt, dass er vorsichtig vorwirft, dass die neue Jazz-Generation teilweise zu viel Respekt vorm klassischen Jazz hat. So verrückte Ideen wie seine japanische Jazz-Oper kämen viel zu selten. Jetzt ist natürlich sein Machwerk auf dem Prüfstand, ob es den Jazzgrößen gerecht werden kann und für frischen Wind im Nischengenre sorgt.

Das Ergebnis ist in erster Linie verwirrend und erinnert zu weiten Teilen an Improvisations-Jazz. Immer wieder werden die recht festen Melodien, die hier und da durch japanischen Gesang untermalt werden, durch längere Atempausen seitens der Instrumente unterbrochen. „Different Pans“ zum Beispiel ist ein einziges Durcheinander der Instrumente, wogegen der Titeltrack zum Abschluss eine fast schon poppige Ballade ist. Warum die Sängerinnen bei keiner der Lieder mit Gesang einen passenden Ton zum Jazz finden, ist wohl Wells Erfindergeist geschuldet. Für die meisten Hörer klingt es allerdings nach einem Klischee von quietschendem Japano-Pop. Diese Momente lassen auch an den Ambitionen des Jazz-Musikers zweifeln und zeigen ein recht plattes Bild von der Vereinigung von J-Pop und Jazz.

Das Soap in Soap-Opera wird also zum Verhängnis und dadurch, dass die Stücke mit Pop-Infusionen reduziert werden. Die Größe und Fülle, die sich sonst im Raum durch Jazz-Musik verteilt, kommt hier überhaupt nicht auf und so fragt man sich schnell, warum Bill Wells diesen Weg gegangen ist. Zu gravierend sind immer noch die Unterschiede zwischen klassischen Jazznummern wie „Invade The Pitch“ und den J-Jazz-Ausrutschern. Mit dieser unausgegorenen Mischung bewegt sich Wells zwar weg von seinen Genremitstreitern, aber wohin genau er sich bewegt, bleibt das ganze Album über unklar. Ohne entspannende Jazz-Atmosphäre oder eben einprägsamen Pop-Melodien bleibt am Ende nichts, woran man sich bei „Lemondale“ festhalten kann.

Anspieltipps:

  • Harvest Bag
  • Invade the Pitch
  • Toon City

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