Vildhjarta - Masstaden - Cover
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Vildhjarta Masstaden


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Undurchsichtige Experimente in progressiven Reagenzgläsern zu züchten, ist, wie schon Mnemic mit „Sons Of The System” (01/2010) und der selbstbetitelte Daath-Output vom Oktober letzten Jahres erfahren musste, nicht immer der Weisheit letzter Schluß. Vildhjarta aus Schweden wagen sich trotzdem ins tückische Gewässer und bearbeiten mit ihrem Debüt „Måsstaden“ den von Meshuggah besetzten Djent-Thron, der zuletzt mit „Obzen“ (03/2008) wahnwitzige Riffs in teils dissonanten, teils harmonischen und offbeatlastigen Mustern gegen unbarmherzige Growls als Äquivalent zur mathematischen Präzision der seriellen Musik eines Pierre Boulez ins Rennen schickte und somit einen rhythmischen Groove verursachte, dem es sich nur schwer zu entziehen galt.

Daniel Ädel (Gesang), Vilhelm Bladin (Gesang), Daniel Bergström (Gitarre), Calle Thomér (Gitarre), Jimmie Akerström (Gitarre), Johan Nyberg (Bass) und David Lindkvist (Schlagzeug) gehen allerdings noch einen Schritt weiter und fügen dem stark ADS-gefährdeten Progressive Metal ein Konzept bei, das, in klassischer Fabelmanier erzählt, von einer „verborgenen und isolierten Stadt“ handelt. Als Vorlagen dienten übrigens Rudyard Kiplings „Das Dschungelbuch“ oder der 7. Teil der Videospielserie „Final Fantasy“. Beste Voraussetzungen also um den nächsten Rollenspielabend stimmungsvoll von „Måsstaden“ beschallen zu lassen.

Wie das große Vorbild aus Umea hacken sich Vildhjarta nämlich von einem Extrem ins Andere, verzichten mit Ausnahme von „Traces“ auf Klargesang und verwischen gekonnt die Grenze zwischen Brutalität und Harmonie. Die Kinnlade ist dabei ein ums andere Mal weit geöffnet, denn wenn „Benblåst“ als musikalisches Panzerbattalion dem Hörer das Gehirn aus dem Schädel quetscht und gleich darauf „Östpeppar“ die kümmerlichen Überreste mit andächtig gezupften Gitarrensaiten besänftigt, ist eine neue Stufe der Kompromisslosigkeit erreicht, die vermutlich nur Meshuggah mit ihrem nächsten Longplayer zu überschreiten gedenken.

So stark sich die sieben Schweden jedoch an mancher Stelle präsentieren und vielfach einen Track nahtlos in den Nächsten fließen lassen, dem stilistischen „Style over substance“-Gebärden können auch Vildhjarta nicht entkommen. Oft suhlen sich die Kompositionen in der physischen Wucht der drei Gitarristen ohne das Geschehen voranzubringen und verharren in dieser Position oder die technischen Riffsalven werden in Kombination mit den Death Metal-Growls und kratzigen Screams überhaupt als redundantes Druckmittel benutzt. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei „Måsstaden“ um ein saustarkes Debüt, das zwar nicht auf Augenhöhe mit dem Irrwitz von Meshuggah ist, aber die besten Voraussetzungen mitbringt um in Zukunft in einem Atemzug mit ihnen genannt zu werden.

Anspieltipps:

  • Nojja
  • Benblåst
  • All These Feelings
  • Eternal Golden Monk

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