Bellowhead - Hedonism - Cover
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Bellowhead Hedonism


  • Label: Navigator/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ballade zum Schluss? Eine Hymne, um das Machwerk abzurunden? „Nicht mit uns!“, war wohl der Gedankengang der elfköpfigen Folkband Bellowhead aus England, als sie letztes Jahr ihr damals neues Album „Hedonism“ herausgebracht haben. Von Selbstverliebtheit ist bei der merkwürdigen Mischung aus Funk und Folk allerdings auch diesmal wieder wenig zu merken. Stattdessen trieft Liebe zur Musik aus jeder Pore und die verrückte Mixtur aus 70s und Volksmusik der britischen Art klingt auch diesmal wieder sehr spannend für Einsteiger, wie auch für fortgeschrittene Fans. Die einzige Falle, die zu allzu großer Abhängigkeit bei diesem Album führen kann sind das Schlusslied und der Opener, die in dieser Reihenfolge im Repeat-Modus ineinander überfließen und zu einer neuen Runde einladen.

Wenn wirklich aus 49 ganz schnell 98 Minuten werden, dann sollte ein gehobener Unterhaltungswert bei „Hedonism“ gewährleistet sein. Aber nur weil der Opener und das Schlussstück sich so gut verstehen, heißt das ja nicht, dass noch böse Längen in der Mitte warten könnten. Wie schon zuvor klatschen Bellowhead alle möglichen Einschläge ihres Genres auf eine Platte und so sind neben Jazz-Funk-Folk-Krachern („New York Girls“, „A-Begging I Will Go“, „The Hand Weaver And The Factory Girl“ und „Yarmouth Town“) natürlich auch Balladen und Hymnen vertreten, wobei einige besser funktionieren, wie das Marsch ähnliche „Broomfield Hill“ und das schmerzlich romantische „Amsterdam“ und dagegen ein sechsminütiges „Captain Wedderburn“ auf halber Strecke seinen Charme verliert.

Was die schnellen Stücke angeht, gibt es natürlich keinerlei Beschwerden. „Little Sally Racket“ ist ein punkiger Aufschrei, der die Frage aufwirft, warum nur ein Song mit Jazz-Posaunen bestückten Punk-Folk liefert, da diese Mischung nach kurzer Eingewöhnung äußerst unterhaltsam ist. Da verzichtet man lieber auf ein gut gemachtes, aber zu lang geratenes Instrumentalstück wie „Parson's Farewell“. Der heimliche Star des Albums ist übrigens das mittelschnelle „Cold Blows The Wind“, das als einziges Stück keine Experimente zulässt und Folk der besten Sorte als Folge liefern kann.

Bellowhead unterhalten auch diesmal über die volle Laufzeit mit einer Spielfreude, die sich gewaschen hat. Langeweile kommt höchstens bei einem einzigen Song auf und das ist bei einem sonst ausgewogenen Album, das mit der Mischung aus Funk und Folk ein nahezu einzigartiges Erlebnis bietet eine verschmerzbare Schwäche. Feinschmecker von Independent-Musik aufgepasst. Mit einem Jahr Verspätung kommt das „neue“ Album einer der verrücktesten Bands der Insel endlich auch zu uns.

Anspieltipps:

  • New York Girls
  • Cold Blows The Wind
  • Broomfield Hill

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