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Soundtrack Sherlock Holmes: A Game Of Shadows


  • Label: Classical/Sony Music
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mittlerweile ist es amtlich: Madonna war Guy Ritchies Kreativitätsbremse. Nach den virtuos geschnittenen und mit einer Überdosis Coolness ausgestattetenen Werken „Bube, Dame, König, Gras“ (1998) und „Snatch“ (2000) produzierte der angehende Mittvierziger bis zu seiner künstlerischen Wiederauferstehung 2008 mit „RocknRolla“ ausschließlich biederen („Swept away“) oder drogengetränkten („Revolver“) Schwachsinn, den eigentlich niemand sehen wollte. Mit seiner Adaption von Sir Arthur Conan Doyles Detektivroman „Sherlock Holmes“ gelang ihm jedoch das Kunststück wieder an den Kinokassen relevant zu sein und legte seinen bis dato erfolgreichsten Film vor, was nicht nur an dem extrem gut aufgelegten Duo aus Robert Downey Jr. als Holmes und Jude Law als sein ständiger Begleiter Watson lag, sondern auch an den opulent inszenierten Kämpfen und Schauplätzen.

Bei einem Einspielergebnis von weltweit über 520 Millionen Dollar war es also nur eine Frage der Zeit, bis Downey Jr., Law und Ritchie den Kinogängern eine zweite Runde spendierten. Nach Lord Blackwood im ersten Teil ist es in „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ Erzfeind Professor Moriarty (gespielt von Jared Harris), der Holmes Intelligenz auf die Probe stellt. Mit der bereits aus dem Vorgänger bekannten, tödlichen Erfindung Blackwoods (einer per Radiowellen ferngezündeten Maschine) will dieser für Chaos in Europa sorgen und Angst und Schrecken verbreiten. Doch Holmes & Watson sind ihm dicht auf den Fersen.

Gemäß dem Motto „Never change a winning team“ wurde erneut Hans Zimmer („Inception“, „Fluch der Karibik“, „Gladiator“, „The Last Samurai“, „Der schmale Grat“) für den Soundtrack beauftragt, der sich wie schon im Vorgänger seinen Protegé, den schottischen Komponisten Lorne Balfe (war in letzter Zeit hauptsächlich für die musikalische Untermalung in Videospielen wie „Assassin´s Creed“, „Call Of Duty“ oder „Crysis“ zuständig), ins Boot geholt hat. Gemeinsam zeichnen sie ein musikalisches Pendant zum actionlastigen und atemlosen Geschehen auf der Leinwand, das abgesehen von ein paar folkloristischen Farbtupfern und dem weiterhin grandiosen Hauptthema, welches mit seiner tänzelnden Melodie aus Banjo, Cymbalom, Streichern und Piano perfekt auf den ambivalenten Charakter Sherlock Holmes zugeschnitten ist und bei jedem noch so kurzen Auftritt ein Grinsen ins Gesicht zaubert, lediglich Dienst nach Vorschrift ist.

Wie nicht anders zu erwarten kracht es nämlich nicht nur gewaltig im Kino, sondern auch innerhalb der knappen Stunde des Soundtracks. Subtile Motive und zaghafte Themen sind tabu und Zimmer lässt ein ums andere Mal das Orchester wie eine Haubitze auf ihre Feinde auf den Hörer einschlagen („Tick tock (Shadows - part 2)“). Der Bogen von der überbordenden Action zum eigentlichen Kern des Ganzen, nämlich Sherlock Holmes, wird zwar stets meisterhaft inszeniert („Chess (Shadows - part 3)“, „Zu viele Füchse für euch Hänsel“), etwas mehr Feingefühl hätte man dann aber doch erwarten können, denn obwohl vier Nummern lang rumänische Folklore die Oberhand gewinnt (Devotchka und Beirut lassen grüßen) und für eine kurzweilige Abwechslung sorgt („It´s so overt, it´s covert“, „Romanian wind“, „Did you kill my wife?“, „He´s all me me me“), so sind vor allem die Bezüge zu Franz Schuberts „Die Forelle“, Mozarts „Don Giovanni“ („To the opera“) und Ennio Morricones „Two mules for sister Sara“ prominente Fremdkörper, die ohne das entsprechende, bewegte Bild als Fragezeichen aus den Lautsprechern tönen.

Kleiner Tipp am Rande: Ein Fremdkörper der ganz besonderen Art ist „Romani holiday“ im Antonius Remix. Im Kontext mit dem großteils klassischen Soundtrack hat die bassgetriebene Version von „Romanian wind“ zwar per se keine Daseinsberechtigung, in der Disco dürfte dieser mit flotten Bläsersätzen angereicherte Remix neben den üblichen Verdächtigen aus der elektronischen Balkanszene den Dancefloor jedoch zum Beben bringen. Wem also der brachiale Zimmer-Soundtrack zuviel ist, könnte vielleicht hiermit glücklich werden. ITunes macht´s immerhin möglich!

Anspieltipps:

  • Romanian Wind
  • Tick Tock (Shadows - Part 2)
  • Zu viele Füchse für Euch Hänsel
  • Romani Holiday (Antonius Remix)

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