Martin Stadtfeld - J.S. Bach Klavierkonzerte 2 - Cover
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Martin Stadtfeld J.S. Bach Klavierkonzerte 2


  • Label: Classical/Sony Music
  • Laufzeit: 64 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Über beinahe nichts streitet man in der Kunst so gerne, wie über Remakes. In der gemalten Kunst redet man ausschließlich von Nachahmungen, die allenfalls gut kopiert sein können und auch im Film spricht man nur selten davon, dass eine Neuauflage das Original übertrumpft. Es gibt immer Einstellungen, Pinselstriche und Blickwinkel, die den Klassiker ins bessere Bild rücken wollen. Auch bei der Musik sind Remakes eher ein probates Mittel, um das Ausbleiben guter Melodien bei der eigenen Musik zu übertünchen. Nicht so bei der klassischen Musik, die auch heute noch ihr Heil in der Wiederholung sucht. Immer neue Wunderkinder gibt es mit jeder Generation, die am Ende stets die Werke der großen Meister wiedergeben, statt eigene Kreationen auf die Welt loszulassen.

Martin Stadtfeld wurde schon im Alter von neun Jahren darauf geeicht, Bach, Mozart und all die anderen perfekt zu spielen. Das Wort perfekt in Zusammenhang mit der Nachahmung von Originalen zu nutzen erinnert natürlich doch an kopieren, doch verzweifelt versucht man Neues in den alten Stücken auszumachen. Dass Stadtfeld sich nicht verspielt ist keine Überraschung und das „swingende Element“, welches seinen Bach-Interpretationen nachgesagt wird, zeigt sich allein den Kennern. An und für sich kein Problem, da ein Album wie dieses nicht für die Massen gedacht ist. Gleichzeitig wundert man sich aber, wenn Martin Stadtfeld durch Schulen zieht, um Schüler von der klassischen Musik zu überzeugen. Diese verliert er bei solch – für den Laien – recht konventionellen Wiedergaben an den Pop-Strom. Im besten Fall finden sich die Jugendlichen zu Orchestern zu Film- und Videospielmusik wieder, die im Gegensatz zu den alten Klassikern regelmäßig ein volles und junges Haus erzielen.

Kritik in der Breite wäre vermessen, da Martin Stadtfeld ein Album in bester Klangqualität aufnehmen konnte, das in keiner Sekunde, billig, schlecht gespielt oder schwach auf der Brust wirkt. Die Idee, die knappen Fugen auf das Album zu nehmen, die auch das ungeduldige, junge Publikum angeln könnten, verpufft und versinkt in einem Lobgesang seitens der Expertenwelt. Die Jugend zuckt mit den Schultern, wenn einminütiges Klaviergeklimper ertönt und verzückt schauen jene, die sich eher in der Geschichte der Musik verlieren, als in ihren Tönen. So gibt es nichts an Stadtfelds neuem Silberling auszusetzen, doch an Neuheiten und Extraklasse fehlt es ebenso, um dieses Album in den Ton-Olymp heben zu können.

Anspieltipps:

  • Prelude No. 6 In G Minor, Bwv 558
  • Ii. Adagio E Piano Sempre

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