Gazpacho - London - Cover
Große Ansicht

Gazpacho London


  • Label: KScope/EDEL
  • Laufzeit: 111 Minuten
Artikel teilen:
4/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die von Gefühlen domminierte Musik steht über jeden Zweifel erhaben.

Nicht allzu lange her gab es bereits eine Liveaufnahme auf den Gaumen der Gazpacho-Fans, „A Night At Loreley“. Was bewegt also die Norweger zu einer weiteren Konzertveröffentlichung? Diese Aufnahme war nie geplant, aber wie der Zufall es wollte, hat ein lokaler Tontechniker den Vorschlag gemacht eine Festplatte an das Mischpult anzuschließen und das Konzert aufzunehmen. So entstand am 30.01.2011 im Londoner Dingwalls nur acht Tage nach dem Konzert in Berlin (siehe Konzertbericht) dieser Mitschnitt, der zunächst ganz vergessen wurde und irgendwo auf Festplatte gebannt vor sich hin schlummerte. Nun ist seine Zeit gekommen, um den emotionalen Art-Rock der Norweger, der vorsichtig in die Nähe von Marillion oder Sylvan zugeordnet werden kann, und speziell das aktuelle Album „Missa Atropos“ auf der Bühne vorzuführen.

Heutzutage klingen die üblichen Livealben genauso wie Studioalben, mit dem kleinen Unterschied, dass anscheinend jemand ab und an klatschendes Publikum eingefügt hat (soll es alles schon gegeben haben). „London“ hingegen ist eine wahre Konzertaufnahme, bei der lediglich die Ansagen des Sängers herausgeschnitten und sonst keine Nachbesserungen vorgenommen wurden. Man spürt tatsächlich diese allgegenwärtige Atmosphäre, die die Bühne umgibt und den ganzen Raum ausfüllt. So klangen Livealben vor 20 Jahren. Leider bedeutet dies auch, dass sich die Tonqualität des Öfteren anhört wie vor zwei Dekaden. Ungewiss ist dabei, ob die besonders auf der ersten CD zu hörenden vielen Rauschgeräusche (clipping) schon bei der Aufnahme entstanden sind oder das Album erst beim Mastering kaputt gemacht wurde. Wirklich schade, denn dadurch wird der nostalgische Hörgenuss mächtig geschmälert.

Sehr erfreulich sind die drei Songs vom „Night“-Album, die zum Ende des Konzerts gespielt wurden, gefolgt von dem obligatorischen „Winter Is Never“, dem wohl melodischsten und eingängigsten Song von Gazpacho. Trotzdem waren die Konzerte an Ort und Stelle intensiver, angenehmer, einfach um Längen besser als dieses Album suggeriert. Als Schlussfolgerung ist festzuhalten, dass sich die beiden Live-Alben der Norweger diametral unterscheiden. Während „A Night At Loreley“ eine geplante, moderne Aufnahme mit perfektem Klang darstellt, zeigt sich „London“ von der spontanen Seite, ungeschliffen und von der Atmosphäre lebend. Welches davon einem mehr entspricht, muss jeder für sich entscheiden. Die von Gefühlen domminierte Musik steht über jeden Zweifel erhaben, aber nicht die Klangqualität der Aufnahme, denn die besitzt lediglich Bootleg-Charakter und das ist einfach nicht zeitgemäß.

Anspieltipps:

  • Dream Of Stone
  • Winter Is Never

Neue Kritiken im Genre „Art-Rock“
7.5/10

Is This The Life We Really Want?
  • 2017    
6.5/10

The Lover, The Stars & The Citadel
  • 2016    
7.5/10

Stand Up (The Elevated Edition)
  • 2016    
Diskutiere über „Gazpacho“
comments powered by Disqus