Arch/Matheos - Sympathetic Resonance - Cover
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Arch/Matheos Sympathetic Resonance


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

So schnell kann´s gehen! Da lässt sich Sänger Ray Alder nur etwas länger bitten um seine Meinung zu neuen Kompositionen für den elften Fates Warning-Silberling abzugeben und schon hat sich jemand anderer die Stücke unter den Nagel gerissen. Dieser Jemand ist allerdings niemand geringerer als Ex-Ur-Fates Warning Songwriter und Kopfstimme John Arch, der dem Musikzirkus, sieht man mal von der EP „A Twist Of Fate“ (06/2003) ab, 17 Jahre lang den Rücken gekehrt und mittlerweile ein zweites Standbein als Möbelhersteller vorzuweisen hat. Ob er nach fast zwei Dekaden nicht zu lange zwischen den Stühlen gesessen ist, um von Stand heraus ein gelungenes und astreines Progressive Metal vorzulegen, muss nun „Sympathetic Resonance“ klären.

Mit sechs Stücken, die mühelos einen Schnitt von 9 Minuten vorweisen, ist zumindest schon die erste Ansage an Dream Theater und Konsorten getätigt, die ähnlich ausufernd ihrer Tätigkeit nachgehen, doch läuft Herr Arch damit nicht Gefahr den Hörer zu langweilen? Mitnichten! Den Grund liefert die restliche Besetzung, die nicht umsonst zu einem Teil im Bandnamen erwähnt wird und ihre flinken Fingerfertigkeiten eindrucksvoll unter Beweis stellt. Da aber nicht nur Jim Matheos (Gitarre) zum Lineup gehört, sondern auch Joey Vera (Bass) und Bobby Jarzombek (Schlagzeug) aktuell bei Fates Warning ihre Instrumente bedienen und Frank Aresti, der von „Awaken The Guardian“ (11/1986) bis „Inside Out“ (07/1994) bei den Progvätern in die Saiten greifen durfte, wäre wohl die Bezeichnung John Arch´s Fates Warning letztendlich treffender gewesen.

Mit „Neurotically Wired“ geht es dann los und die erste Maulsperre setzt ein. Johns Stimme wird zwar nach wie vor die Gemüter spalten, das selbe Ausmaß wie noch anno 1987, als seine hohe Kopfstimme für den Rauswurf bei Fates Warning sorgte, wird die Anti-Arch-Fraktion allerdings nicht erreichen, immerhin weiß man schon beim Betrachten des Covers, was es geschlagen hat und kann sich, wenn man mit der einnehmenden Darbietung des Herrn Arch nicht zufrieden ist, bequem anderen Dingen widmen. Musikalisch gibt es jedoch absolut nichts zu beanstanden und auch das Songwriting kann sich sehen lassen. Ausgelutschte Ideen werden von rasanten Gitarrenläufen im Keim erstickt oder vom ungezügelt agierenden Schlagzeug kräftig bearbeitet und wenn Aresti oder Matheos die Saiten zum Solo anwärmen, schlägt das Progherz umso schneller.

Auf ähnlichem Niveau pendelt sich dann das komplette Album ein. „Midnight serenade“ ist lediglich etwas verträumter und brennt ein leicht bekömmliches, eingängiges Feuerwerk nach Hausmannskost ab, während „Stained glass sky“ den Bogen zu modernen Klassikern wie z.B. „Images And Words“ (07/2002) spannt, seine komplette Viertelstunde aber nicht nur mit umwerfender Technik veredelt, sondern inmitten der progressiven Hakenschlagerei stets nachvollziehbar und songdienlich agiert, was zur Folge hat, dass sich die Kinnlade immer mehr dem Fußboden annähert. Gestoppt wird sie leider von „On the fence“, das zwischen düster und anstrengend mäandert und eindeutig den Schwachpunkt der Scheibe darstellt.

Mit dem genialen „Any given day (strangers like me)“ machen Arch/Matheos dafür einiges gut und erreichen ein neues Level an Kreativität, in dem Text und Musik eine vollendete Symbiose eingehen, zur richtigen Zeit eine famose Rifflawine von Aresti/Matheos losgetreten wird und der Song nach all dem Wirbel noch die Zeit findet um seine verletzliche Seite hervorzukehren um anschließend gestärkt und mit Pauken und Trompeten daraus empor zu steigen. Zum Abschluss beglücken uns Arch/Matheos mit der Powerballade „Incense and myrrh“. Die langgezogenen Silben und ein schon fast popkonformer Zugang machen die ruhige Stimmung des Tracks jedoch kaputt und degradieren ihn zu nettem Standard.

Dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Rückkehr von John Arch in dem Musikzirkus mehr als nur gelungen ist. „Sympathetic Resonance“ atmet die Perfektion von Fates Warning, die metallische Wucht vergangener Dream Theater-Werke und wird durch Archs Stimme zu etwas Einzigartigem. Wer sich dieses Prog-Highlight 2011 entgehen lässt, ist, allein schon wegen „Stained glass sky“ und „Any given day (strangers like me)“, selbst schuld!

Anspieltipps:

  • Stained Glass Sky
  • Neurotically Wired
  • Any Given Day (Strangers Like Me)

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