The Cranberries - Roses - Cover
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The Cranberries Roses


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn es keine große Erwartungshaltung gab, was das Comeback der Cranberries anbetrifft, ist „Roses“ leider nicht mehr als ein netter Versuch, den Geist einer Band mit neuem Leben zu füllen.

Eine typische Episode im Leben von Berufsmusikern: Sie kämpfen lange um den verdienten Erfolg, den sie irgendwann in vollen Zügen ernten und genießen. Nach einer gewissen Zeit wird aus dem Spaß an der Musik nur noch Arbeit und Stress und der Erfolg nebensächlich. Bands gehen in solchen Phasen gerne getrennte Wege und die Musiker verwirklichen sich solo. Nicht selten erlischt dabei die Akzeptenz bei der breiten Masse und der Erfolg von früher bleibt aus. Dann, nach ein paar Jahren, kommen die ehemaligen Bandkumpels auf den Trichter, dass früher eh alles besser war. Sie raufen sich wieder zusammen und starten ein Comeback, in der Hoffnung, dass alles wieder so toll wird wie am Anfang ihrer Karriere.

Die irische Band The Cranberries schreibt das nächste Kapitel in der just beschriebenen endlosen Fortsetzungsgeschichte um Musiker, die nach Jahren der Abstinenz in den trauten Band-Kreis zurückkehren, um an alte Großtaten anzuknüpfen. Diese liegen bei dem Quartett aus Limerick mehr als 15 Jahre zurück. Denn die 1989 gegründete Band landete mit ihrem zweiten Album „No Need To Argue“ (1994) und den ausgekoppelten Singles (allen voran der weltweite Hit „Zombie“) einen Volltreffer beim Publikum, das in der abschwächenden Grunge-Hysterie auf der Suche nach neuen Klängen war. Die gitarrenorientierte Popmusik der Cranberries kam da als Brücke zwischen Rock und Pop gerade recht.

Über 10 Jahre nach dem letzten Studioalbum der Cranberries („Wake Up And Smell The Coffee“, 10/2001) und einer im Jahr 2010 absolvierten Reunion-Tour melden sich Dolores O’Riordan, Noel Hogan, Mike Hogan und Fergal Lawler mit elf neuen Songs und dem Album „Roses“ auf der Bildfläche zurück. Unter der Anleitung von Stephen Street (Kaiser Chiefs, Blur, The Smiths, Suede, Graham Coxon) wollen die Vier nun das hinbekommen, was sie als Solokünstler vermissen ließen: Das Händchen für eingängige Melodien und packende Songs mit Aussage.

„Roses“ ist das sechste Album der Iren und es knüpft was die Harmonieführung und die Melodien betrifft in Ansätzen tatsächlich an die frühen Alben der Band an. Allerdings ist die politische Schärfe in den Texten und der Einsatz der E-Gitarre zugunsten eines familienfreundlicheren Sounds gewichen. Dafür hat die Stimme Dolores O’Riordans‘ nichts von ihrer durchdringenden Präsenz eingebüßt. Doch lässt sich damit wirklich an die Stimmung und den damit verbundenen Gefühlen einer Zeit anschließen, in der The Cranberries „The next big Thing“ waren?

Leider nein! Denn was mit den ersten drei, vier Songs auf „Roses“ vielversprechend beginnt, verflacht danach zu einem lauen Lüftchen aus durchaus gefälligen, aber kaum berührenden Popsongs, die zwar ausnahmslos dem markanten Cranberries-Klangbild folgen, aber beinahe an der Dicke-Hose-Produktion ersticken, die ihnen Produzent Stephen Street angedeihen ließ. Dazu gehört besonders der Einsatz von Streichern, die den Cranberries das letzte Bisschen ihres einstmals so rauen Sounds rauben.

Auch wenn es keine große Erwartungshaltung gab, was das Comeback der Cranberries anbetrifft, ist „Roses“ leider nicht mehr als ein netter Versuch, den Geist einer Band mit neuem Leben zu füllen, die ihren Platz in den Geschichtsbüchern schon sicher hat. Ihren Ruf beschädigen The Cranberries dabei nicht, doch Begeisterung können sie auch nicht entfachen.

Anspieltipps:

  • Roses
  • Conduct
  • Show me
  • Tomorrow

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