Lambchop - Mr. M - Cover
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Lambchop Mr. M


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 56 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Jahr 2008 veröffentlichten Lambchop ihr letztes Album „Oh (Ohio)“ und verschwanden daraufhin auf unbestimmte Zeit. Jetzt meldet sich das musikalische Mastermind Kurt Wagner mit „Mr. M“, einem Album voll von altbekannter, liebevoller Melancholie, zurück. Eine Ode an die Freundschaft, den Verlust und die alles überlebende Liebe.

Warum sich eine solche Band nach einem Lammkotelette benannt hat ist wahrhaftig ein Rätsel: Ganze 18 Musiker, lassen sich zu der Besetzung von Lambchop zählen, von denen jedoch nur eine Auswahl an „Mr. M” beteiligt war: Matt Swanson (Bass), Tony Crow (Piano), William Tyler (Gitarre), Ryan Norris (Gitarre/Orgel) und Scott Martin (Schlagzeug/Percussion) sowie einige extra eingeflogene Streicher aus London und Austin. Eingespielt wurde „Mr. M” von Mark Nevers, in der Heimatstadt von Lambchop, Nashville, Tennessee.

Der Grund für die musikalische Schaffenspause von Lambchop war nicht vollkommen unbegründet: Ende 2009 starb der Sänger und Songwriter Vic Chesnutt, ein enger Freund von Kurt Wagner. Vic Chesnutt war für Wagner wie ein Seelenverwandter und Vertrauter, zu dem er sich viele Jahre lang sehr verbunden fühlte, weswegen dessen Selbstmord den Kopf der Band Lambchop in ein tiefes Loch stürzte. Kurt Wagner begann wieder zu malen, kehrte zu seiner ehemaligen Passion zurück und hatte starke Schwierigkeiten sich wieder auf die Musik zu konzentrieren. Er betrachtete Chesnutt als den Antrieb, die Muse, für seine gesamte musikalische Karriere. Die Malerei unterstützte Kurt Wagner bei der Verarbeitung seines Verlustes, bis Mark Nevers ihn wieder auf die Idee brachte ein neues Lambchop Album zu veröffentlichen. Die Malerei, mit der sich Kurt Wagner während seiner musikalischen Pause beschäftigt hat, ist ebenfalls auf „Mr. M” wiederzufinden: Das Artwork der Platte ist Teil seiner Gemäldeserie („Beautillion Militaire 2000”), die er vor kurzem in Nashville ausstellte.

Die Streicher und Worte „Don’t know what the fuck they talk about" in „If Not I’ll Just Die” eröffnen „Mr. M” und man ahnt bereits, wie zerbrechlich und gleichzeitig eindringlich Kurt Wagner es auch auf „Mr. M” schafft innerhalb weniger Sekunden eine innige Verbindung zwischen Hörer und Longplayer aufzubauen. Nach alter Tradition lassen sich auf „Mr. M” mit „Gar” und „Betty’s Overture” auch wieder Instrumentalstücke finden. Eine direkte Hommage an Vic Chesnutt lässt sich in „2B2“ finden, die unglaublich melancholisch, tieftraurig und wehmütig die letzten Worte an einen geliebten Freund richtet. Psychedelische Streicher-Einheiten oder „Psycho-Sinatra“-Nuancen lassen sich auf „Mr. M“ im Song und (un-)heimlichen Herzstück „Mr. Met“ hören.

„Mr. M” sollte übrigens ursprünglich „Mr. Met” heißen, doch dieser Name war schon vom Maskottchen der Baseball-Mannschaft der New York Mets besetzt. Daraufhin sollte sogar „Major League Bummer” der neue Titel werden, der jedoch letzten Endes von „Mr. M” abgelöst wurde. Soviel Rummel um einen Titel, wobei es doch beinahe interessanter ist, dass „Mr. M” das erste von elf Alben ist, auf dem Kurt Wagner in „Never My Love” das Wort „Liebe” benutzt.

„Mr M.” ist ein gefühlvolles, tiefgründiges Album, was in seiner Qualität problemlos an Alben wie „Damaged“ oder „Oh (Ohio)“ anknüpft. Ob der Zauber des Überwerks „Is A Woman“ jemals wieder erreicht werden kann, bleibt fraglich, doch Kurt Wagner hat mit „Mr. M” wieder einmal ein kleines Meisterwerk geschaffen.

Anspieltipps:

  • If Not I’ll Just Die
  • Mr. Met
  • 2B2
  • Never My Love

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