Trent Reznor & Atticus Ross - The Girl With The Dragon Tattoo - Cover
Große Ansicht

Trent Reznor & Atticus Ross The Girl With The Dragon Tattoo


  • Label: Mute/AIP
  • Laufzeit: 174 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Er tut es noch einmal: Nine Inch Nails-Mastermind Trent Reznor lässt dem Oscar-prämierten Soundtrack zu „The Social Network“ ein weiteres Stück Filmmusik folgen. Genau genommen ist es ein schweres Stück Granit, das sich auf den drei CD's (oder sechs Vinyl-Scheiben samt exklusivem Artwork und USB-Flashdrive) verewigt sieht und die Beißer in Form der Ohren und Nerven stark beansprucht. Wie schon beim vorherigen Projekt, ist es nun auch ein Film von David Fincher, das US-Remake zum Stieg Larsson-Bestseller „Verblendung“, und erneut ist Atticus Ross an der Seite von Trent Reznor für die musikalische Umsetzung verantwortlich. Anscheinend hat sich mit Fincher, Reznor und Ross ein amerikanisches Dreamteam gebildet, was sicherlich nicht jedem mundet. Bis auf wenige Ausnahmen sind es keine Songs, die „The Girl With The Dragon Tattoo“ bestimmen, sondern klangmalerische Landschaften – vor allem verstörend, selten majestätisch.

Da dürfte es Abgeneigten freuen, dass Reznors anderes Nebenprojekt How To Destroy Angels dieses Jahr noch mit einem Album zurückkehren wird und auch Nine Inch Nails wieder kreative Songwriting-Züge annimmt. Für den Beginn des dreistündigen Mammut-Werkes steht jedoch erst einmal die Kompaktheit im Vordergrund, wenn „Immigrant Song“ (im Original von Led Zeppelin) mit Karen O (Yeah Yeah Yeahs) Industrial-Rock inklusive typischer Nine Inch Nails-Schlagseite abgründig betörend ins Ohr geht. „A Thousand Details“ schraubt sich vom Klavier-Intro über industrielle Klänge und Beats zum Post-Rock herauf, der Atmosphäre und knackiges Song-Format auf den Punkt bringt. Wer eben nicht immer drei Stunden Aufmerksamkeit am Stück für den Musikgenuss von „The Girl With The Dragon Tattoo“ hat (und das dürften die Wenigsten sein), findet in solchen Momenten Eckpfeiler, an denen man sich festhalten kann und die auch losgelöst vom Dreifach-Album über die Repeat-Taste wunderbar funktionieren.

Die zweite CD startet in Form von „Cut Into Pieces“ als reiner Soundscape mit Drone-Elementen und spätestens zu diesem Zeitpunkt wird deutlich, was für einen harten, teilweise unhörbaren Brocken Atticus Ross und Trent Reznor vorlegen. Es geht nicht nur bei „The Splinter“ so schwer greifbar weiter, sondern zieht sich nun immer mehr durch die Platte, dass der rote Faden endgültig ins Nirwana führt und der Hörer ohne Film vor Augen nur mit wahren Avantgarde-Vorlieben und Drone-Zuneigung den Zugang behält. Häppchenweise legen sich Elemente wie Bass, Synthesizer und Klavier frei. Sie stagnieren als Fragmente im Raum und bestätigen das Stückwerk im Verlauf des Albums immer wieder. Nur wenige Hoffnungsschimmer, wie „Aphelion“ mit seinem markanten Piano-Thema und unheimlichen Soundeffekten sowie das folgende „You're Here“, führen zwischendurch auf eine begehbare Unterlage.

Viel zu oft verliert man diese unter seinen Füßen und so glänzt auch die dritte CD verhalten. Bis zu „Oraculum“ dauert es, ehe zielgerichtete Tribal-Beats aus der Lethargie einen nachvollziehbaren Song-Moment formen. Trent Reznor befindet sich weiter auf einer Selbstfindung, die nur wenige beinharte Fans wirklich nachhaltig erreichen wird. Im Film, der ab dem 12. Januar 2012 in den Kinos läuft, mag das gut die Bilder auf der Leinwand mit Klangästhetik verzieren, zuhause auf der Couch sind diese drei Stunden harter Tobak.

Anspieltipps:

  • Immigrant Song
  • A Thousand Details
  • An Itch
  • Aphelion
  • A Viable Construct
  • Oraculum

Neue Kritiken im Genre „Filmmusik“
7/10

The Hunger Games: Mockingjay Part 1
  • 2014    
Diskutiere über „Trent Reznor & Atticus Ross“
comments powered by Disqus