David Pfeffer - I Mind - Cover
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David Pfeffer I Mind


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 36 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein überraschend gelungenen Werk, was in Anbetracht des Mülls, der regelmäßig aus den Casting-Küchen schwappt, gar nicht hoch genug bewertet werden kann.

Am 6. Dezember 2011 gewann der 29jährige Polizist David Pfeffer die zweite Steffel der deutschen Ausgabe der Castingshow „X Factor“. Nur drei Tage später stand bereits sein Debütalbum „I Mind“ in den Verkaufsregalen. Ein wahrhaftiges logistisches Meisterwerk, das mit einem Top-10-Platz in den deutschen Album-Charts belohnt wurde, bei dem aber besser nicht genauer hinter die Kulissen geschaut werden sollte, möchte man sich den schönen Schein der Castingshowwelt erhalten.

Wie wir inzwischen anhand einer Vielzahl (trauriger) Beispiele wissen, müssen die Eisen von Castingshowteilnehmern besonders schnell beschlagen werden, sonst haben sie die Konsistenz von kaltem Kaffee und die hochgejubelten Absolventen können schneller wieder einpacken als ihnen und den Plattenfirmen lieb ist. So werden im sich abzeichnenden Finale einer Castingshow die übriggebliebenen Kandidaten der Reihe nach ins Studio geschickt, um für den Fall ihres Sieges irgendwelche vorproduzierten Lieder von der Stange einzusingen, damit diese so schnell wie möglich nach dem Ende der Show zu Geld gemacht werden können.

Romantik und/oder Starruhm haben da erst einmal keinen Platz und der geneigte Hörer muss darauf hoffen, dass die Plattenfirma fähige Songschreiber gefunden hat, die Songs geschrieben haben, die zur Stimme und der Persönlichkeit des Künstlers passen. Ein echtes Horrorszenario für jeden Liebhaber authentischer Liedermacherkunst. Aber sei’s drum. Damit müssen Künstler und Publikum nun einmal leben.

Schaut man sich die Credits der zehn Songs auf „I Mind“ an, die es lediglich auf 36 Minuten Spielzeit bringen, findet sich neben zwei Pfeffer-Eigenkompostionen Stücke von so illustren Namen wie Gary Go, Martin Sutton (Celine Dion, Backstreet Boys), Valentine Romanski und Christian Neander (Selig), die dem unbestrittenen Gesangstalent ein Bündel erwachsen klingende Popsongs zur Verfügung gestellt haben. Und damit fährt der 29-Jährige gar nicht schlecht. Denn dadurch haben die Tracks eine handgemachte Grundlage, die auf bollernde Dance Beats und anderen anbiedernden Schabernack verzichtet.

Stattdessen setzen die Macher vermehrt auf Gitarren- und Pianoklänge („Up to us“, „I’m here“), sie lassen akustische Stücke („Out of mind“, „Wasted light“) zwischen Breitwandpop á la Coldplay („Changes“) und rockigen Tracks („Riot in my veins“) erstrahlen und stellen dabei sicher, dass die Songs tatsächlich niemals ein Mindestniveau unterschreiten. Dadurch wird „I Mind“ zu einem überraschend gelungenen Werk, was in Anbetracht des Mülls, der regelmäßig aus den Casting-Küchen schwappt, gar nicht hoch genug bewertet werden kann.

Anspieltipps:

  • Fall on me
  • Wasted light
  • Piece by piece
  • Losing my time
  • All blessings fall

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