Chäirwalk - Top 10 - Cover
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Chäirwalk Top 10


  • Label: 141 Records/New Music Distribution
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Chäirwalk ist eine deutsche Band, also sollte einem doch die Idee kommen zumindest den Bandnamen ins Deutsche (zurück) zu übersetzen. Na, dämmert es, klingelt es, Aha-Effekt?! Und schon steht der Albumtitel „Top 10“ in einem ganz anderen Licht. Dabei handelt es sich wohl tatsächlich um die zehn besten Songs des Hamburger Trios, die sie während ihrer 15-jährigen Karriere - okay, das Wort Karriere ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, nehmen wir Laufbahn – hervorgebracht haben. Das erste Album der Band ist somit gleichzeitig das Best-Of Album. Was mag da überhaupt noch als nächstes kommen, „Serious Constipation“ oder „Diarrhea Diaries“, vielleicht sogar eine „Flop 10“?

Beim ersten Hörerlebnis belächelt man die Songs noch ein wenig, aber sie hinterlassen doch einen Eindruck und möchten wieder gehört werden. Chäirwalk spielen einen rotzfrechen Rock mit einer ordentlichen Punkrock-Attitüde, trotzdem verspielt, die Songs mal kürzer, mal länger, eben nicht ganz konventionell für diese Sparte. Neben dreckigen Riffs tauchen seltsame Hintergrundgesänge auf, richtige Alternative-Einschläge („Splitter“) stehen direkt neben progressiv ausgebauten Tönen („6 Richtungen“), Themen wie Abhängigkeit vom Materiellen („Ich kotz gleich (feinstes Leder in beige)“) werden gefolgt von herzzerreißenden Balladen über die Einsamkeit („Du fehlst“).

Chäirwalk lassen einen zu textlichen Übertreibungen greifen, vielleicht weil sie ebenso überzogen beworben werden mit Ähnlichkeiten zu Tool, Deftones und Queens Of The Stone Age. Es sind durchaus Stonerrock-Einflüsse auszumachen, es blitzt auch mal ein Tool-Gedenkriff auf, aber mit solchen Referenzen um sich zu schmeißen kann eigentlich nur Humor sein. Das passt aber ins Gesamtbild dieser Spaßscheibe auch wenn sie textlich deutlich deprimierter und negativ behafteter ist als die Musik vermuten lässt.

Eins ist den Jungs jedenfalls gut gelungen, wenn es deren Ziel war, kann nur gratuliert werden, denn das Cover ist wirklich eins der hässlichsten, die einem dieses Jahr untergekommen sind. Reinster Stuhlgang eben. In diesem Punkt werden sich die Redaktionen dieser Welt wohl einig werden, aber mit solchen Auszeichnungen wie „Worst Cover of 2011“ kann eine Band auch ihre Aufmerksamkeit bekommen. Das Backcover fußt hingegen auf einer tollen Idee den Stuhlgang als einen Wanderweg zu sehen, deren wichtigste Stationen die Songs des Albums sind, mit den entsprechenden Entfernungsangaben, die für die Länge der Songs stehen. Schönheit und Hässlichkeit, Genie und Wahnsinn liegen doch viel näher beieinander als man zu glauben vermag oder wie die drei Hamburger es selbst ausdrücken „Der Wahnsinn schleicht ganz leise sich von hinten heran“.

Anspieltipps:

  • 6 Richtungen
  • Ich kotz gleich (feinstes Leder in beige)
  • Du fehlst
  • Splitter

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