Unheilig - Lichter Der Stadt - Cover
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Unheilig Lichter Der Stadt


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 64 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die tanzbare Popmusik von Unheilig ist in Überdosis vor allem für langjährige Fans nur schwer zu verkraften.

Unheilig haben sich zur erfolgreichsten deutschen Band gemausert, der Graf, Henning Verlage sowie Christoph Termühlen verdrängten Herbert Grönemeyers „Ö“ von der Bestenliste der erfolgreichsten Alben, 23 Wochen lang mit Unterbrechungen belegte „Große Freiheit“ 2010 Platz eins der Albumcharts, das muss erst einmal jemand nachmachen.

Die „Große Freiheit“-Platte war stimmungsvoll und dunkel atmosphärisch sowie eben an den richtigen Stellen etwas härter, bei diesem Werk ist davon nichts mehr übrig. Es wird fast fortwährend auf die Tränendrüse gedrückt. Sicher singt der Graf mit seiner dunklen Stimme die Emotionen herbei und nicht alles klingt schlecht, aber so richtig überzeugt das nicht. Da wird der Popmusik gehuldigt und jeder Refrain ohne Gnade auf Eingängigkeit getrimmt. Ein Textzitat aus dem Booklet: „Manche Tage sind wie Gold, so selten wertvoll rein, Dann ist der Himmel mir ganz nah, und sein Blau unendlich weit.“ Angesichts solcher Plattitüden wundert man sich nicht, dass die (schwarze) Gothic-Szene, die lange Zeit die Heimat des Grafen war, sich mit Entsetzen abwendet und sich fragt, ob der Graf schon wieder einen neuen TV-Termin bei Carmen Nebel gebucht hat.

Schnell kommt man zum unausweichlichen Fazit: „Lichter der Stadt“ ist so wenig Rockmusik wie Nickelback Metal spielen. Die balladeske Übermacht erschlägt den Hörer mit großen Gefühlen, auch wenn bei „Feuerland“ und „Eisenmann“ Rammstein unverhohlen zitiert wird und es bei „Herzwerk“ anfangs mal ein wenig lauter wird. Doch ein mit Geigen unterlegtes Schlagzeug klingt einfach nur weichgespült. Das muss wohl die neue Kategorie „Rockschlager“ sein.

Die Kollaborationen mit Xavier Naidoo und Andreas Bourani stellen angesichts deren einzigartiger Stimmfarben eingängige Popmusik dar, die bestimmt gut ankommt, mit Gothic-Rock hat das nichts mehr zu tun. Diese emotionale tanzbare Popmusik von Unheilig ist in Überdosis vor allem für langjährige Fans schwer zu verkraften, dennoch bleibt das Staunen wie locker und selbstverständlich der Graf seine platten Lebensweisheiten unter das Volk bringt.

Mit den richtigen Singleauskopplungen wird das Album angesichts der großen Fangemeinde sicher wieder erfolgreich sein. Denn wer den Balladen-Overkill erst einmal überlebt hat, den kann nichts mehr erschrecken!

Anspieltipps:

  • Herzwerk
  • Feuerland

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