David Guetta - Nothing But The Beat (Deluxe Edition) - Cover
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David Guetta Nothing But The Beat (Deluxe Edition)


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 134 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Neuauflage, die als Deluxe Edition eine weitere Disc spendiert bekommen hat.

„Wenn ich in den USA Radio höre, klingt alles wie „Sexy bitch“. Urban Dance ist das Ding und zurzeit ungemein populär. Ich muss mich jetzt verändern, weil mein Sound zum Standard geworden ist. Das ist eine Herausforderung, aber ich nehme sie gerne an.“ erklärt DJ Blaupause alias David Guetta zur Veröffentlichung seines fünften Albums „Nothing But The Beat“. Seltsamerweise bleibt nach den ersten Singleauskoppelungen „Sweat“, „Where them girls at“, „Without you“ und „Little bad girl“ abgesehen von den unterschiedlichen Gastfeatures von Snoop Dogg, Ludacris, Nicki Minaj, Flo Rida, Taio Cruz und Usher der allgemeine Tenor „Das klingt doch alles gleich!“ bestehen und die Akte Guetta kann im Bezug auf seriöse Unterhaltung abseits von Party, Sex, Girls, Liebe und Beziehung wieder geschlossen werden. Fans werden schon wissen, wieso sie Guetta hören.

Doch dieses Mal ist alles anders. Ehrlich! Den französischen Hitproduzenten lässt es nämlich ganz und gar nicht kalt, dass seine normalen DJ-Künste nicht ausreichend gewürdigt werden und alle nur auf den nächsten Smash Hit im radiotauglichen 3:30-Format warten. In diesem Sinne kam ihm die Idee eines Doppelalbums, bei dem Seite A einen Chartstürmer an den nächsten reiht und Seite B auf instrumentalen Electro House setzt, der in der Wahrnehmung seiner Fans immer mehr ins Hintertreffen gerät. So sind dann alle zufrieden und die Party kann weitergehen. Doch wer jetzt an Abwechslung, überschäumenden Ideenfluß und innovative Beats denkt, der wird leider enttäuscht, denn sowohl Seite A als auch Seite B drehen sich im Kreis und huldigen ein ums andere Mal einer bereits vor Jahren festgelegten Skizze, die lediglich mit anderen Samples, Basstönen und Synthesizerloops angereichert ist. Frei nach dem Motto, kennt man einen, kennt man alle.

Da gibt es zwar im kommerziellen Lager die unwiderstehlichen Ohrwürmer („Turn me on“, „I can only imagine“), die sich durch eine Fusion aus flockig-leichten Melodien und einprägsamen Hooklines, gesungen von der ersten Liga aktueller R&B- und Hip Hop-Stars (Nicki Minaj, Chris Brown, Lil Wayne), sofort im Kopf festsetzen, und den einen oder anderen durchaus veritablen Electro Popsong, der zu jeder Tages- und Nachtzeit für ausgelassene Feierstimmung sorgt (z.B. „Night of your life“ mit Jennifer Hudson), aber der Schwerpunkt der eindimensionalen Trance/House/Eurodance-Mischung auf heiße Flirts und Doppeldeutigkeiten geht in vielen Fällen schon nach dem ersten Mal mächtig auf die Nerven (allem voran das nervtötende „I just wanna f.“).

Der Wegfall von starbesetzten Gaststars lässt die zweite Seite im Anschluss arg straucheln, denn obwohl Mr. Guetta seine Wurzeln in „Alphabeat“ , „Metro music“ und „Toy story“ nach außen kehrt und dabei wie ein weiterer Daft Punk-Jünger klingt, so sind die etwas eigenständigeren Kompositionen an einer Hand abzuzählen und klingen meist nach instrumentalem B-Seiten-Material, das bislang noch keine andere Verwendung gefunden hat. Bei „Sunshine“ mit Dj Kollege Avicii flüchtet man zwar im Handumdrehen an den Strand von Ibiza und „Dreams“ kratzt bereits verkrustete Progressive Electro-Wunden wieder auf, doch die cluborientiertere Herangehensweise macht sich nur in den seltensten Momenten wirklich bezahlt und lädt kaum zu einem feuchtfröhlichem Discobesuch ein.

Besonders schlimm steht es um die Neuauflage, welche als Deluxe Edition eine weitere Disc spendiert bekommen hat und mit einem durchgehenden Party Mix gesegnet ist. Was bei Scooter vor einem Monat auf „The Big Mash Up“ (10/2011) mit „The longest Scooter single in the world“ noch für ein spaßiges Vergnügen sorgte, ist bei DJ David eine künstlerische Bankrotterklärung. Die zehn ausgewählten Stücke wurden nämlich nicht einfach stilvoll ineinander verwoben und bilden so eine 3/4 Stunde lang Party pur, sondern genießen den besonderen Luxus mit dreckigeren Beats, mehr Handclaps und Fanfaren bestückt worden zu sein, die schon beim ersten Durchgang einen derartigen Radau veranstalten, dass man den dritten Silberling am liebsten wieder aus dem Digipack verbannen möchte.

„Wenn ich in den USA Radio höre, klingt alles wie „Sexy bitch“ - Daran wird sich auch 2012 so schnell nichts ändern, noch dazu wenn der Initiator der „Sexy bitch“ selbst zu einer geldgeilen Edelhure verkommen ist, die am Ende ihrer Karriere mit jedem Künstler, der es sich leisten kann, in der Kiste gewesen ist. Madonna hat schließlich schon ihre Beischlafkompetenzen angeboten und hofft auf eine fruchtbare Zusammenarbeit. Weitere Kommentare sind dann wohl überflüssig.

Anspieltipps:

  • Sweat
  • Dreams
  • Sunshine
  • Turn Me On
  • Night Of Your Life
  • I Can Only Imagine

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