Deichkind - Befehl Von Ganz Unten - Cover
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Deichkind Befehl Von Ganz Unten


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Deichkind bleiben, wie schon auf „Arbeit nervt!“ sozialkritisch und nehmen dabei besonders gerne die Arbeiterklasse aufs Korn.

Die klassischen HipHop-Zeiten á la „Bitte ziehen Sie durch“ der Hamburger Jungs sind schon einige Jahre vorbei und was heute aus den Boxen dröhnt, wenn man das fünfte Album „Befehl von ganz unten“ von Deichkind einlegt, klingt schon lange nicht mehr nach Songs wie „Komm schon“ oder „Bon Voyage“. Das Intro „Tetrahedon“ kündigt bereits an, was auf „Befehl von ganz unten“ zu hören ist: Elektronischer Tech-Rap in Neonfarben, der an den Stil des letzten Albums Arbeit Nervt! (2008) anknüpft.

Deichkind bleiben, wie schon auf „Arbeit nervt!“ sozialkritisch und nehmen dabei besonders gerne die Arbeiterklasse aufs Korn: „Bück dich hoch!“ besingt das routinierte und repressive Arbeitsleben, von unbezahlten Überstunden und unmenschlichen Chefs. „Der Mond“ erinnert dabei nicht viel weniger an „Arbeit nervt!“, jedoch weniger textlich als vielmehr stilistisch, denn „Der Mond“ klingt wie eine Weiterentwicklung des damaligen Songs „Luftbahn“.

Dass die Aussage der einzelnen Songs nicht immer sofort verstanden werden muss, zeigt der geheime Höhepunkt des Albums „Pferd aus Glas“, der den Hörer zwar mit einem fragenden Blick zurücklässt, ihn jedoch nicht davon abhält mit „Eiswürfeln in Pyramidenform“ weiter durch den Club zu ziehen. Nicht nur, dass Deichkind sich mittlerweile deutlich mehr über anarchistischen Party-Elektro-Pop als HipHop definieren, findet sich mit auf „Die rote Kiste feat. Slime“ auch ein deutlicher Punk-Einschlag, der jedoch im Gesamtzusammenhang auf „Befehl von ganz unten“ etwas deplatziert wirkt und man Deichkind, trotz noch so krassem Image-Wechsel, den Schrei nach Anarchie nicht so ganz abnehmen möchte.

Vor zwei Jahren stand es um Deichkind nicht ganz so freudig, wie sich die Band auf „Befehl von ganz unten“ anhört. Im Februar 2009 verstarb mit Sebastian „Sebi“ Hackert mit 32 Jahren der Produzent und langjähriger Freund der Band. Da Hackert die musikalische Richtung von Deichkind stark beeinflusst habe, war einige Zeit nicht sicher, ob Deichkind weiterhin existieren würde. Glücklicherweise erholten sich die Deichkinder jedoch von dem tragischen Ereignis und legten wieder los. Was jedoch die personelle Besetzung von Deichkind betrifft, steigt man seit einigen Jahren nicht mehr so ganz durch, denn das einzig verbliebene Gründungsmitglied ist mittlerweile Philipp Grütering alsias Kryptik Joe.

Während Deichkind in ihrer Anfangszeit noch stärker dem HipHop zugewandt waren, ist davon vergleichsweise wenig übrig geblieben und Gründungsmitglied und MC Malte Pittner stieg bereits 2006 aus der Band aus. Dafür werden Deichkind jedoch seit 2008 auch von dem berüchtigten Urgestein der Hamburger HipHop-Szene Ferris MC als Ferris Hilton unterstützt.

„Die Platte von Deichkind war nicht so mein Ding, doch ihre Shows sind leider geil.“ Heißt es in dem Song „Leider geil (leider geil)“, der mitsamt minimalistischem Super-Mario-8-Bit Sound eher weniger nach einer spektakulären Bühnenshow klingt, wie der Rest des Albums. „Befehl von ganz unten“ ist leider ein bisschen geil, auch wenn die 40-minütige Anarcho-Elektro-HipHop-Volldröhnung vor allem als gute Vorlage für wilde und abgedrehte Live-Shows dienen mag.

Fazit: Die Jungs vom Deich beweisen mit „Befehl von ganz unten“, dass sie wissen wie man Massen mit Remmi Demmi in Bewegung bringt, ohne dabei zu vergessen, ihren Texten auch einen geistreichen Anstrich zu verpassen. Etwas anstrengend auf Dauer, aber für die Kurzweil, leider geil.

Anspieltipps:

  • Bück dich hoch
  • Leider geil (leider geil)
  • Pferd aus Glas

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