Adam Lambert - Trespassing - Cover
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Trespassing


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 51 Minuten
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2/10 Unsere Wertung
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der ultimative Soundtrack für die The-Black-Eyed-Peas-, David-Guetta-, Skrillex- und Bruno-Mars-Generation.

Wie so oft spielte der Gewinner einer Castingshow letzten Endes nur die zweite Geige. Kris Allen, Sieger der achten Staffel von American Idol, musste dies bereits eine Woche nach seinem selbstbetiteltem Majorlabel-Debüt (11/2009, US-VÖ-Termin) erfahren, denn der Zweitplatzierte, Adam Lambert, verkaufte nicht nur dreimal so viele Alben wie er, sondern zog in weiterer Folge durch sein offenherziges Auftreten und der bekennenden Homosexualität auch nahezu die komplette Aufmerksamkeit auf sich. Kein Wunder, dass Allen die Veröffentlichung seines neuesten Werkes „Thank You Camellia“ nun an Lambert fest macht und eine Woche nach „Trespassing“ folgen lässt. Dort erwartet den Hörer zwar nicht gerade die Erfindung des Rades, aber etwas bodenständigere Unterhaltung als bei Mr. Glam Pop wird auf jeden Fall geboten.

Das Thema des Nachfolgers zu „For Your Entertainment“ (05/2010) könnte nämlich plumper nicht sein: Party mit all ihren Höhen und Tiefen. Da wird im titelgebenden Opener bereits das High School Musical als stampfendes und klatschendes Ungetüm aus den Lautsprechern getreten, in „Pop that lock“ zahnlose Houseschwingungen auf den nächsten Kindergeburtstag losgelassen, ADS-gestörte Penetranz als Konsequenz angeboten („Runnin“) oder obligatorisches Electrogezappel a la The Black Eyed Peas in einen Track aus der Feder von Bruno Mars gestopft („Never close your eyes“). Die Zielgruppe zwischen 6 und 16 wäre damit jedenfalls bedient, fehlen eigentlich nur mehr ein paar durchschnittliche Pop Tracks und obligatorische Balladen, damit auch Onkel und Tante einen Spaß haben und nicht an Hypertonie sterben, wenn die Enkel „Trespassing“ bei einer längeren Autofahrt hören wollen.

Für diesen Fall versucht sich Lambert als Möchtegern-Michael Jackson („Shady“), singt beschwingt „I want your naked love to-ni-ni-ni-ni-ght“ im Boyband-Imitat „Naked love“, gibt den schunkeligen Balladenonkel („Better than I know myself“), fährt mit Green Days „21 Guns“ kurzerhand in ein minimalistisch gehaltenes Jammertal („Underneath“) und kramt für das Gejaule in „Outlaws of love“ Bonhams Schlagzeugspur von „When the levee breaks“ hervor, damit „Trespassing“ wenigstens den Hauch eines kleinen Lichtblicks versprüht. Wirklich empfehlenswert, wenn auch nicht unbedingt neuwertig, ist lediglich „Chokehold“, das mit seinem Piano-Gitarre-Synthie-Dreier zumindest ansatzweise Laune macht und nicht gleich nach dem ersten Mal zu Fremdschämmomenten führt, die Lambert mit dem düsteren und mit Dubstep-Geplänkel verzierten „Nirvana“ auf die Spitze treibt.

Ja, Adam Lambert kann singen und deswegen wurde wohl auch auf die Verwendung des großen Übels namens Autotune verzichtet. Hierfür gibt es einen Bonuspunkt. Wenn die Ausbeute nach 50 Minuten jedoch nicht die Spannung bei einem Bingoabend im Seniorenheim übersteigt, dann helfen solche positiven Eindrücke auch nicht mehr viel. Bei klebrigem Kaugummipop eines „Trespassing“ ist aber ohnehin Vorsicht geboten, denn wie heißt es so schön: Übermäßiger Verzehr kann abführend wirken.

Anspieltipps:

  • Shady
  • Chokehold
  • Underneath
  • Outlaws Of Love

Dieser Artikel ging am um 18:47 Uhr online.
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  • 2014    
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