Aborted - Global Flatline - Cover
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Aborted Global Flatline


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

2012 wird aller Voraussicht nach ein dankbares Jahr für alle extremen Metal-Bands, denn was kann dunklen, morbiden und düsteren Gedankengängen Besseres passieren als eine allgemeine Weltuntergangsstimmung? Aborted aus Belgien lassen sich daher auch nicht allzu lange bitten und veröffentlichen nach ihrem letzten Album „Strychnine.213“ (06/2008) und der gefeierten EP „Coronary Reconstruction“ (03/2010) Longplayer Nummer 7, der gerade einmal 20 Tage nach Beginn des neuen Jahres zum Ende der Menschheit bläst. Typisch für Gründungsmitglied Sven de Caluwe (Gesang) und seine blutrünstigen Mitstreiter Eran Segal (Gitarre), Michael Wilson (Gitarre), JB van de Wal (Bass) und Ken Bedene (Schlagzeug) geht es auf „Global Flatline“ selbstverständlich anhand von gemütlichem Smooth Jazz in den nächsten Loungeclub, was bereits stimmungsvoll durch das Coverartwork hervorgehoben wird.

Aborted lassen in der guten Dreiviertelstunde dementsprechend keine Gelegenheit unversucht um den kannibalistischen Grundgedanken dieser hageren Gestalten in ein musikalisches Schädeltrauma zu verwandeln und verzichten auf jegliche Kompromisse, Zugeständnisse an den Zeitgeist oder sonstige Schwächeanfälle. Hier wird definitiv nichts nur einfach zu Kleinholz verarbeitet oder mit der Spitzhacke bearbeitet, Aborted werfen nach einem kurzen Intro („Omega mortis“) den Fleischwolf an und zermahlen alles zu Staub. Derber Grindcore prügelt sich mit rasend schnellem Todesblei, de Caluwe steuert sein abgrundtiefes (meist unverständliches) Gegrunze, sowie Shouts und Screams jenseits von Gut und Böse bei und wenn nicht gerade massive Grooves die Erde erschüttern („From a tepid whiff“) oder gnadenlose Hardcore-Attacken aus den Boxen brechen („Grime“), schleppt sich „Expurgation euphoria“ in bester Sludge-Manier durch die verwaisten Betonwüsten der Postapokalypse.

Melodische Einschnitte sind inmitten des metallischen Orkans dennoch keine Mangelware und werden, ohne den wutschnaubenden Fluss zu stören, subtil eingewoben. Wäre „Global Flatline“ damit lediglich eine weitere überdurchschnittliche Death Metal-Schlachtplatte, so ist es vor allem das variable Songwriting und die Vielschichtigkeit hinter dem neuen Aborted-Langeisen, wodurch sich die Belgier mühelos an die Speerspitze des extremen Metals katapultieren und mit einigen Kniffen in den Tracks aufwarten, dass sich so manche progressive Truppe eine Scheibe davon abschneiden könnte, würden Aborted mehr als nur verbrannte Erde übrig lassen. Im Vergleich zu „Global Flatline“ ist der gesamte Backkatalog von Dying Fetus jedenfalls nicht mehr als harmloses Kinderentertainment mit FSK 0-Kennzeichnung und das komplette Saw-Franchise der Nachbar von Kasperl und Pezi. Meine Damen und Herren, das Ende der Welt kann kommen, der Soundtrack dazu lautet „Global Flatline“!

Anspieltipps:

  • Grime
  • From A Tepid Whiff
  • The Origin Of Disease
  • Coronary Reconstruction
  • Our Father, Who Art Of Feces

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