Lacuna Coil - Dark Adrenaline - Cover
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Lacuna Coil Dark Adrenaline


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das sechste Werk der Italiener ist trotz seiner vielen kleineren Fehler ein wahrer Ohrenschmaus.

Lacuna Coil standen in Europa schon immer im Schatten der übermächtigen Nightwish oder Within Temptation, denn obwohl die Italiener rund um Goldkehlchen Cristina Scabbia (Gesang), Andrea Ferro (Gesang), Cristiano Migliore (Gitarre), Marco Biazzi (Gitarre), Marco Coti Zelati (Bass, Keyboard) und Cristiano Mozzati (Schlagzeug) mit dem stark symphonisch angehauchten Female Fronted Metal der Finnen und Niederländer nicht viel am Hut hatten und lieber ihre eigene Version von Gothic Metal mit allerlei Wildwuchs schmiedeten, so haben sie sich doch spätestens mit dem Überflieger „Comalies“ (10/2002) ins kollektive Gedächtnis der mit zarter Frauenstimme bestückten Bands geschlichen. Vom Plattenlabel als Gratiswerbung sicherlich dankend angenommen, ist es für den Sechser jedoch schon lange Zeit das Territorium abzustecken und auf die vielen Eigenheiten und Einzigartigkeiten im Sound aufmerksam zu machen.

Für dieses Unterfangen kommt „Dark Adrenaline“ gerade recht. „Wir sind uns bewusst, wer wir sind und wo unsere Wurzeln liegen, hegen aber auch unsere eigene Vision für die Zukunft“ erläutert Sängerin Cristina die besonders gelungene Mischung, die in den letzten drei Jahren nach „Shallow Life“ (04/2009) für den neuen Longplayer perfekt ausbalanciert wurde. Die Nu Metal-Phase als düsteres Korn-Derivat ist vorbei („Karmacode“ vom März 2006) und auch experimentelle Elemente wie im Vorgänger wurden gestrichen. „Dark Adrenaline“ ist einfach das Beste aus fast 20 Jahren Lacuna Coil, verpackt in klare, schimmernde Perlen, die zwar nicht immer den besten Refrain haben müssen („I don´t believe in tomorrow“, „The army inside“, „Fire“), dafür aber mindestens mit krachenden Gitarren und dem Schlagabtausch aus weiblicher Raffinesse und männlicher Durchtriebenheit glänzen, selbst wenn Andrea Ferro Frau Scabbia in seinen Soloausflügen zu keiner Sekunde das Wasser reichen kann.

Dieses Manko ist allerdings spätestens dann vergessen, wenn sich die Beiden wie in „End of time“ ein Gänsehautduett liefern, das in diesem jungen Jahr bereits zum Schönsten und Herzerwärmenstem gezählt werden kann, was man in 2012 hören werden wird. Hinzu kommen perfekte Metalnummern wie „Kill the light“, „Trip the darkness“ oder „Intoxicated“, die abgesehen von der bestechend-variablen Leistung von Cristina mit Melodien um sich werfen, für die Amy Lee (Evanescence) vermutlich töten würde. Das R.E.M.-Cover „Losing my religion“ hätten sich Lacuna Coil jedoch sparen können, denn obwohl der Song problemlos an den musikalischen Kosmos der Italiener angepasst wurde, besitzt die Version darüber hinaus keinen nennenswerten Hinweis auf die Notwendigkeit dieser Neuinterpretation und hätte als B-Seite für die erste Single „Trip the darkness“ vollkommen ausgereicht. Nichtsdestotrotz ist das sechste Werk der Italiener trotz seiner vielen kleineren Fehler ein wahrer Ohrenschmaus und ein Highlight für alle alten und neuen Fans in diesem noch jungen Jahr.

Anspieltipps:

  • Intoxicated
  • End Of Time
  • Kill The Light
  • Trip The Darkness

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