Ani Difranco - Which Side Are You On? - Cover
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Ani Difranco Which Side Are You On?


  • Label: Righteous/INDIGO
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ani DiFranco ist ein Kind der 1990er, ihr neues Album veröffentlicht sie wieder auf ihrem eigenen Label Righteous Babe Records. Es ist ihr erstes Studioalbum seit mehr als drei Jahren. Hierfür hat sie sich eine Schar illustrer Gäste eingeladen. Neben Skerik, Adam Levy, Ivan und Cyril Neville und Anais Mitchell stand ihr Pete Seeger zur Seite, dessen Klassiker „Which Side Are You On?“ die New Yorkerin nicht nur covert, sondern in einer neuen Form präsentiert, auch was den politischen Inhalt betrifft. Seeger ist für DiFranco eine Art Vorvater des politischen Folk-Songs.

„Which Side Are You On?“ ist ein ausgereiftes Singer / Songwriter-Werk geworden, der Anfang von DiFrancos Alterswerk? Zu Beginn nimmt uns die Amerikanerin mit in ihr „Life Boat“ und zeigt auf, dass sie ihre mehrere Oktaven umfassende Stimme nun wesentlich kontrollierter einsetzt als dies in den 1990ern und zeitweise auch später der Fall war. Nicht dass sie mit ihrem Können geizen würde, im Gegenteil – sie versteht es einfach ökonomischer damit hauszuhalten. Auf „Unworry“ werden Folk-Jazzvibes gesetzt, die an Joni Mitchells „Hejira“ mahnen. Auf dem Titelsong spielt Pete Seeger Banjo und singt mit, außerdem wurde Ani DiFranco vom Kinderchor Rivertown Kids und der Blaskapelle The Roots Of Music Marching Crusaders unterstützt. Der Folk-Klassiker erfährt in dieser Version eine Portion Rock, befeuert von funkigem New Orleans Gebläse. „Splinter“ und „Promiscuity“ sind wieder in die zuvor beschriebenen Folk-Jazzvibes getaucht. Man kommt ohne den Joni-Mitchell-Vergleich nicht aus; Ani DiFranco scheint sich an deren Mitt- bis Spätsiebzigerphase zu orientieren.

Dagegen wagt sie sich auf „If Yr Not“ wieder in die musikalischen Sümpfe von New Orleans, während „Hearse“ ihre Folk-Seite betont. Die Krisen der amerikanischen Nation werden immer wieder zum Thema des Albums, auf Titeln wie „J“ und „Amendment“ spricht DiFranco eine deutliche Sprache, während sie selbst sagt: „Ich fühle mich ein bisschen frustriert und politisch verzweifelt. Nachdem ich über die Dekaden hunderte Songs geschrieben habe, frage ich mich was nun?“ Eine Frage, die sie mit den neuen Songs eindrucksvoll beantwortet hat.

Ani DiFranco ist mit 41 Jahren in eine neue Lebensphase aufgebrochen, die sich in ihren Songs widerspiegelt. Die Künstlerin hat einen Reifegrad erreicht, der ihr gut zu Gesicht steht. Ihre Songs wirken durchdachter, der Umgang mit ihrer Stimme ist wie schon gesagt ökonomischer und wird so zu einem organischeren Teil der Kompositionen. Ani DiFranco hat eine äußerst angenehme Entwicklung genommen.

Anspieltipps:

  • Life Boat
  • Splinter
  • Hearse
  • Amendment

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