The Doors - L.A.Woman (40th Anniversary Edition) - Cover
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L.A.Woman (40th Anniversary Edition)


  • Label: Rhino/WEA
  • Laufzeit: 100 Minuten
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9/10 Unsere Wertung
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

40 Jahre „L.A. Woman“ (04/1971) hieß es im vergangenen Jahr. Groß gefeiert wird allerdings erst jetzt, nachdem es im November 2011 lediglich ein limitiertes Vinyl-Single-Box-Set zum Anlass des regelmäßig stattfindenden „Record Store Day“ zu kaufen gab. Nun aber startet eine „L.A. Woman 40th Anniversary“-Veröffentlichungsoffensive mit Doppel-CD, Doppel-Vinyl und DVD/Blu-ray – aber leider nicht in Form eines geplanten fünf CDs umfassenden Box-Sets, das sogar schon auf der Homepage der Doors vorbestellbar war, aber wieder zurückgezogen wurde. Schade.

Aber warum wird ausgerechnet das runde Jubiläum des letzten Doors-Studioalbums in Originalbesetzung so groß abgefeiert? Warum wurde das bahnbrechende 1967er Debüt mit dem verstörenden Kultsong „The End“ oder das 1968er Werk „Waiting For The Sun“ mit dem Nummer-eins-Hit „Hello, I love you“ nicht auch mit Jubiläumsausgaben beglückt? Schließlich veröffentlichen The Doors sonst auch jeden Krümel, den sie oder Toningenieur Bruce Botnick in den Archiven der Band finden.

„L.A. Woman“ entstand zwischen November 1970 und Januar 1971 in den The Doors Workshop Studios in Los Angeles. Es wurde nicht wie die vorherigen Werke von Paul A. Rothchild als Produzent betreut, sondern von dem Toningenieur Bruce Botnick, da sich Rothchild schlicht weigerte, die von ihm als „Cocktail Jazz“ bezeichnete Musik aufzunehmen. Darüber hinaus hatte Rothchild kurz vorher den jähren Alkoholtod von Janis Joplin miterleben müssen. Bei dem nicht minder gefährdeten Jim Morrison sah es kaum besser aus. Darauf hatte Paul A. Rothchild keine Lust mehr. Dabei war Morrison zum Zeitpunkt der Aufnahmen wesentlich fitter als zuvor, auch wenn seine Stimme hörbar gelitten hatte. Doch das änderte nichts an der Qualität der Songs, die live im Studio eingespielten wurden und zu den griffigsten und bluesigsten Stücken in der Doors-Historie zählen.

Dazu kommt die besondere Stimmung, die The Doors vor und während der Aufnahmen umgab. Im Sommer 1970 standen The Doors vor der wohl größten Zerreißprobe ihrer Karriere. Tourneen waren beinahe unmöglich geworden, weil sie aufgrund der Ausschweifungen, die sich Sänger Jim Morrison auf der Bühne leistete, kein Veranstalter mehr traute, die Band zu buchen. Währenddessen kämpfte Jim Morrison gegen eine Haftstrafe wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und einer Strafzahlung von 50.000 Dollar an, die ihm sein skandalöser Auftritt im Key Auditorium im Miami ein Jahr zuvor eingebracht hatte.

Dass Morrison direkt nach den Aufnahmen zu „L.A. Woman“ nach Paris übersiedelten und nur wenige Monate später tot sein würde, trug natürlich zum Mythos des Albums bei. Dennoch haben wir es bei dem finalen Werk in der Doors-Urbesetzung nicht mit einem Longplayer zu tun, der nur durch einen Mythos künstlich geadelt wird. „L.A. Woman“ vereint alle Seiten der Doors in tiefgängigen Tracks wie dem atmosphärisch unglaublich dichten „Riders on the storm“ oder dem treibenden „The WASP“, dem eingängige Popsongs wie „Hyacinth house“ oder „Love her madly“ aus der Feder von Gitarrist Robbie Krieger entgegengesetzt werden. Dazu kommen viele kleine Details, wie das total abgefahrene Gitarrensolo in „Crawling king snake“ oder Morrisons bellende Stimme inklusive eines leicht aggressiven Untertons in „The changeling“ und „Been down so long“, dem das ruhig dahingleitende „Cars hiss by my window“ – ein Bluesstück per excellence – als krasser Gegensatz gegenübersteht.

In den vergangenen 20 Jahren hat es bereits die eine oder andere mehr oder weniger sinnvolle Neuauflage von L.A. Woman geben. Sei es als DVD-Audio in einem ganz neuen Soundmix oder mit bis dato unbekannten Bonus Tracks aus den ursprünglichen Aufnahmesessions, die auf der jetzt vorgelegten Neuauflage leider fehlen. Dafür zauberten die Verantwortlichen mit dem Muddy-Waters-Cover „Rock me“ und dem „brandneu“ entdeckten „She smells so nice“ frisches Bonusmaterial aus dem Hut, das sich neben sieben alternativen Songversionen auf einer zweiten CD befindet.

„She smells so nice“ ist ein locker-flockiger (und improvisiert wirkender) Bluessong, der zu Recht nicht auf dem ursprünglichen Album gelandet ist, während die alternativen Takes „Work in Progress“-Versionen darstellen, die vor allem für die Hardcore-Fangemeinde ein gefundenes Fressen sind, auch wenn diese Zielgruppe solches Material bereits von früheren Doors-Veröffentlichungen kennt.

Damit sind die Feierlichkeiten zu Ehren von „L.A. Woman“ eingeleitet, die im Laufe des Jahres sicher noch die eine oder andere Überraschung zum käuflichen Erwerb zutage fördern werden.

Anspieltipps:

  • L.A. Woman
  • Been down so long
  • Riders on the storm
  • Cars his by my window

Dieser Artikel ging am um 16:48 Uhr online.
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